Senioren & Kinder im Bus

Dass Meckern gut tut, ist ja bekannt. Dass es manchmal aber auch bitter Not tut – das erzähle ich euch jetzt.

Bin gestern mit meiner Tochter in die Stadt gefahren. Sie saß auf meinem Schoß, neben uns war noch ein Platz frei. Eine ältere Dame stieg ein, setzte sich neben uns und – das kennen vor allem andere busfahrende Mütter – griff meiner Kleinen, wie sie meinte, freundlich ans Bein. (!) Meine Tochter drehte sich demonstrativ weg, und ich meinte nur: „Ich mag es generell nicht, wenn meine Tochter von Fremden angefasst wird.“
„Aber – sie hat sich ja auch gleich weggedreht, ich wollte doch nur freundlich sein -“ meinte die Dame, und da ich gerade in Fahrt kam, sagte ich höflich: „Nein, trotzdem.“
Der Rest der Fahrt war begleitet von einem unbeschreiblichen Triumphgefühl meinerseits.

Nein, es ging mir nicht drum, jemanden runterzumachen, sondern um ein generelles Problem. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, die noch ganz niedlich sind, also im Kindergartenalter, dann passiert es mir und anderen Müttern fast immer, dass entweder nur das Kind angesprochen wird – was die entschärfte Variante ist – oder es wird gleich hingegriffelt. Manchmal frage ich mich, wie eine Seniorin oder ein Senior reagieren würde, wenn ich ihn freundschaftlich am Ohr zupfe. Oder mal die Hand schüttelte, einfach so. Oder sage: „Na du süßer großer Opa!“
Kein Scherz. Mit Kindern im Bus zu fahren ist manchmal die Hölle.

Natürlich spaltete dieser Vorfall gleich die gesamte Busgemeinschaft. Die Dame verließ demonstrativ den Platz neben uns, um sich zwei Plätze weiter hinten bei einer anderen Mitfahrerin darüber zu beschweren, dass ich sie „abgewiesen“ hätte. Aber – hallo? Wie sollen Kinder lernen, wo u. a. auch körperliche Grenzen gesetzt werden? Ich verstehe, dass viele Senioren heute deprimiert und auch depriviert, also sinnlichen Reizen entzogen, leben. ABer muss man sich dann gleich an die Kleinsten halten, an ihnen herumgrapschen, Blödsinn erzählen und damit alles zunichte machen, was man den Kleinsten beibringt wie „Sprich nicht mit Fremden, lass dich nicht anfassen, sag NEIN, wenn du etwas nicht willst“. Das ist heute genauso wichtig wie früher. Ich bin keine hysterische Mutter, die Angst hat, dass ihr Kind an der nächsten Ecke verschleppt, vergewaltigt, zerstückelt wird, bei weitem nicht! Aber ich stelle mir vor, wie ich das fände, wenn ich einfach so angefasst werde. Von einem Fremde. Da spielen Alter und Geschlecht keine Rolle – und ich habe was dagegen. Meine Tochter übrigens auch.

Das Ganze endete damit, dass wir schließlich ausstiegen – nachdem der gesamte Bus über diesen „Vorfall“ diskutierte – und meine Tochter nicht an der Bank vorbeigehen wollte, auf der diese Dame saß. Als ich sie dann doch energisch vorbeigeschoben hatte, ließ meine Kleine doch noch was los: „Ich gehe nicht an Leuten vorbei, die mich einfach angrapschen!“
Ich weiß nicht, ob ich darauf stolz sein soll. Ich weiß jetzt, dass meine Tochter sich wehren kann. Aber es ist schade, dass es unter solchen „sicheren“ Umständen schon zum Einsatz kommen muss… Diese ältere Dame wird jedenfalls wohl nie wieder ein Kind anfassen.

Ich höre schon wieder den Aufschrei: Dürfen ältere Mitmenschen gar nichts mehr? Doch, sie dürfen. Und sie sollen auch. Aber sie sollen auch bitte Gepflogenheiten und Grenzen tolerieren – etwas, das sie uns beigebracht haben, auch in ihren „Verhaltenskodex“ aufnehmen. Das wäre mein Wunsch für die Zukunft.

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