Frauen und Schuhe (für Frau Melle)

Bei diesem Thema ergreifen Männer die Flucht, ich weiß. Aber da ich gerade dabei bin, sämtliche Über-Ich-Vorbehalte zu beseitigen, mache ich das jetzt und hier zum Thema.

Schuhe! Ja, es gibt sie in allen Größen, Farben und Formen. Wenn man gesunde Füße hat, ist das alles kein Thema, dann schlupft der lackierte zarte Fuß in jedes Modell, das man in allen Schuhgeschäften auf der Welt auftut – vorausgesetzt, die folgenden Punkte treffen nicht zu:
– Man hat Schuhgröße 35 abwärts (als erwachsene Frau)
– Man hat Schuhgröße 41 aufwärts (als erwachsene, normal gebaute Frau)
– Man hat breitere bis breite Füße (was meistens nach der Schwangerschaft und im Alter der Fall ist)
– Man hat Probleme mit Knochen- und Muskelaufbau.

Diese Liste lässt sich beliebig forsetzen.

Eigentlich sind mir Schuhe ein Gräuel. Oder Greuel, wie ihr wollt. Denn seit ich mich erinnern kann, habe ich nie gerne a) Klamotten oder b) Schuhe gekauft, solange meine Mutter oder meine Schwester dabei waren. Denn es musste das Modell sein, das ihnen gefiel – nicht mir – und es gab nach diesen Torturen mit Schimpfen, Trotzen und Zicken nie eine Belohnung – und die neuen Klamotten gefielen mir schon gar nicht.

Ich merke es jetzt bei meiner Tochter. So lange es rosa ist und nicht kneift, zieht sie alles an. (Letztens haben wir ihr einen dunkelblauen Schlafsack mit Zauberer drauf gekauft. Das funktionierte nur, weil wir ihr weismachten, dass der Rucksack rosa wird, wenn man die Augen schließt und sich vorstellt, dass er rosa ist. Bisher hat es sie nicht gestört, dass er nach wie vor blau war und blieb.)

Aber ich schweife ab!
Schuhe, ja, die Accessoires für die unteren Extremitäten, die wichtigsten Fortbewegungsmittel der Menschen. Was habe ich nicht alles für Schuhe getragen. Ich, als Kind der 80er, kenne noch die Stiefeletten mit den Stulpen und Nieten, die ich von meiner Schwester erbte, so lange ich Schuhgröße 38 hatte. Leider blieb es nicht dabei. Je größer ich wurde (und ich wurde viel größer als meine zarte 1,65-Schwester), desto zierlicher sollte ich gemacht werden, und das musste natürlich auch bei den Schuhen so sein, denn mit Größe 41 kann man schon ganz schön – elefantisch wirken. (Dazu sei gesagt, dass ich jetzt 1,77 bin und das gleiche Gewicht habe wie seinerzeit mit 1,50 m.)

Und – hier komme ich auf Frau Melle zu sprechen: Ich wollte nie ein „Mädchen“ sein. Rosa war okay, aber ich habe ja nicht mal mit Puppen gespielt. Schleifchen, Nieten, Rüschen? Nur, wenn meine Schwester es abgelegt hatte, und ich bekam auch erst was Neues, wenn die aufgetragenen Schuhe zerlatscht waren. Stand ich vor einem Regal in einem Schuhgeschäft – damals noch in Wesel, wenn das jemand kennt – trieb ich erst meine Schwester, dann die Verkäuferin zur Verzweiflung. Kann sich noch jemand an diese „Ballerinas“ mit der dicken Schleife vorne drauf erinnern? Sowas sollte ich anziehen. Aber das trugen weder Bros noch Rick Astley, sondern nur Taylor Dayne (die ich nicht leiden konnte) oder andere Miezen des Pop-Business (ich war damals 13 und schwer pubertierend). Als ich mir endlich selbst meine Schuhe aussuchen durfte, hätte ich mir fast die bereits von Frau Melle erwähnten Docs gekauft – mit Stahlkappe natürlich! ABer das Taschengeld reichte nicht. Also schritt ich kurzerhand in die Männerabteilung – Palastrevolution – und war dann erst mal unten durch. Hey, wer will denn Flitterzeug an den Füßen, oder ABsätze, mit denen man in jedem Lüftungsschacht steckenbleibt? Mit den Dingern kann man nicht mal rennen, und ich frage mich jedesmal, was diese geschniegelten Mütter machen, die auf High Heels neben ihren Kids herstöckeln. Okay, aber das soll jeder selbst entscheiden.

Nun zu meinem Problem: Größe 41, durch meine Körpergröße auch breitere Füße bei normalem Gewicht, und – was soll ich sagen? Manchmal finde ich einfach nichts, weil die Schuhe zu schmal geschnitten sind. Da klebt eine Mini-Sohle, ganz schmal und zierlich, unter dem Leder, was mich schon beim Anprobieren umknicken lässt (ach ja: Knickfüße hab ich auch noch). Außerdem läuft man darin auch noch schlecht. Soll ich wegen der Schuhe magersüchtig werden? – Never!

Dann, in der empfindlichsten Zeit zwischen 16-17, wurde ich zum Tragen eines Schuhkeils verdonnert, weil man eine Beinverkürzung festgestellt hatte. Jetzt hieß es: Orthopädische Schuhe. Und die sind wirklich BREIT.
Aber wisst ihr was? Ich bin super gelaufen. Und da ich ja jetzt die „offizielle“ Erlaubnis vom Arzt hatte, breite und bequeme Schuhe tragen zu müssen, durfte ich endlich. Und das habe ich beibehalten.
Okay, Stöckelschuhe haben eine nicht zu leugnende aphrodisierende Wirkung. Sie sind einfach sexy, wenn auch unbequem, und sie sind leider auch das, was die Trägerin als Weibchen in Männeraugen erscheinen lässt (wer mag, darf mit mir darüber streiten). Aber letztlich kann man doch nur gut durchs Leben gehen, wenn die Basis stimmt.

Übrigens: Ich habe derzeit drei Paar Turnschuhe, die ich täglich anziehe: Einmal meine Uralt-Joggingschuhe von 2000 (als diese aufgeplusterten Modelle hip waren), ein „Straßenmodell“, das neckische Schlitze im „Obermaterial“ hat und über die mir am zweiten Tag prompt anthrazitfarbener Lack gegossen wurde, als wir im Baumarkt an der Kasse warteten (Nagellackentferner hat´s gerettet), und – haltet euch fest – rosa-weiße Schuhe, die hinten ein Riemchen haben, also halb offene, als Turnschuhe getarnte Halbsandalen, in die auch mein Schuhkeil passt (den ich immer noch trage).

Und jetzt was für Anhänger der Lüscher´schen Farblehre: Im Schrank warten knallgelbe Ballerinas mit oranger Schnalle darauf, von mir im Sommer wieder hervorgezerrt zu werden, wenn barfuß und Sonnencreme angesagt sind. Hat mir meine Kleine ausgesucht, und die Dinger gehen auch irgendwie nicht kaputt…!

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