Die neue Brille & Verlagsarbeit – überschriftliche Autorensuche

Heute mal keine Werbung – außer im Titel – sondern pure Entspannung.
Habe gestern mit zwei Mitstreiterinnen im Restaurant eines skandinavischen Möbelhauses gesessen, während unsere Kinder die Spielecke verwüsteten bzw. ausprobierten, wie viele von den Mini-Söts in ein Kinderzelt passen. Ihr kennt diese großen Vorratskörbe, gell? Es geht viiiiel in so ein Zelt!

Dann tauschten wir uns über unsere Erfahrungen mit Optikern bzw. mit den dort anwesenden Kunden aus. Ich bin ja eher das, was man blindes Huhn nennt. Ohne Brille habe ich ein Gehör wie ein Lux oder Luchs – oder wie auch immer, extrem empfindliche Fingerspitzen, kann alle Mahlzeiten der letzten zwei Wochen im gesamten Haus bestimmen udn sogar die Marke des Sonnenöls schmecken, mit dem ich meine Tochter im Sommer einreibe. Vorausgesetzt, ich nehme die Brille ab und muss mich auf die restlichen 4 Sinne verlassen.

So kam es, dass ich nach 10 Jahren mal wieder eine neue Brille beantragte, zu der die Krankenkasse sage und schreibe 10,- € zuzahlen wollte. Das ist bei niedrigeren Sehstärken nicht so schlimm, wenn auch immer noch teuer. Ich bin mit fast 13 Diopthrien dabei, muss also wegen Glasdicke und Verzerrung die Entspiegelung und das Spezialglas und weiß der Himmel noch was alles dazunehmen, da ich sonst mit der Brille nix anfangen kann. Das werden dann schon mal 4-500 € ohne Gestell.
An besagtem Tag ging ich also mit meinem Rezept zu einer der großen Optikerketten und musste erst einmal 45 Minuten warten, da sich an diesem Tag die halbe Stadt ob des Wetters eine neue Sonnenbrille zulegen wollte. Okay, das kurbelt die Konjunktur an, man ist ja willens und geduldig. Hinzu kam, dass ich Objektstudien durchführen konnte, wer sich eine Sonnenbrille kauft, wie manche sich dabei anstellen und ob denn wirklich die Farbe der Glastönung über das Wohlgefühl entscheidet. (Ich knirschte jedenfalls irgendwann mit den Zähnen.) Augenabtand etc. waren bei mir dann in 5 Minuten vermessen, auch den Rechnungsbetrag habe ich ziemlich rasch verdaut – man gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran – und auch die Kostenübernahme der Krankenkasse rang mir nur ein müdes Lächeln ab.
Erst das Abholen der fertigen Brille gestaltete sich etwas – hm – bizarr.
Wenn man eine neue Brille auf der Nase hat, kann es sein, dass man erst mal gar nix sieht – je höher die Diopthrie, desto länger kann es dauern, bis man einigermaßen wieder in die Welt gucken kann. Ich sehe grundsätzlich erst mal doppelt, auch morgens, wenn ich das Licht der morgendlichen Welt erblicke. Die Verkäuferin schaute mich trotzdem irritiert an, als ich auf ihre Frage: „Und?“ antwortete: „Ich sehe doppelt“. Das war nach ein paar Sekunden immer noch der Fall – okay, kann vorkommen, ich bin da etwas langsamer.
An dieser Stelle schaltete sich ein Sonnenbrillenabholer ein. Ein netter junger Mann, frisch, dynamisch, gut gekleidet, genau die Sorte, der man manchmal das Eis seines Kindes an den Frack drücken möchte, weil man das herablassende Grinsen über die eigenen trotzdenden Gören nicht mehr erträgt. Heute hatte ich meine Kurze nicht dabei, die war im Kindergarten beschäftigt, also hatte ich eigentlich auch keinen Grund, aggressiv zu werden. Noch nicht mal im urzeitlichen Sinn.
Jedoch – ich weiß nicht, warum, war es meine Ausstrahlung, meine angestaubte Schönheit, hat das Joggen was gebracht? – schaltete er sich in mein Verkaufsgespräch ein. „Ja, das geht mir bei meiner neuen Brille auch immer so, aber dann geht es wieder. Hoffentlich ist das dann bei meinen maßgefertigen Sonnenbrillen anders!“
Während ich also vor mich hin schielte, gab die Verkäuferin diesem Mann Gelegenheit, seine Brillen abzuholen. „Hach, 145 Euro, aber man zahlt ja für gute Qualität,“ jubelte er quer durch den Laden. (So ausgelassen bin nicht mal ich nach einem Glas Rotwein.) Trug auch gleich Probe und war zufrieden. Meine Augen begannen zu laufen – eine normale Reaktion – ich nahm die Brille ab. „Bei dem Preis kommen mir auch regelmäßig die Tränen,“ seufzte er. „Sie haben da aber auch ein nettes Gerät.“
Von was sprach der Kerl?! Oder bin ich inzwischen so „vermuttert“, dass ich eine Anmache nicht nur für unwahrscheinlich, sondern schon für hanebüchen halte?!
„Hm,“ brummte ich also, setzte die Brille wieder auf – es wurde allmählich besser.
Der Typ bezahlte, und anstatt mit seinen Errungenschaften aus dem Laden zu schweben, blieb er neben mir stehen und glotzte. „Na?“ kam die Verkäuferin wieder auf mich zurück, und ich nickte langsam. „Jaaa, wird besser.“ Und versuchte noch ein Scherzchen – man will ja auch mal lachen: „Dann gebe ich Ihnen mal eine Monatsmiete.“ Verkäufer müssen ja lächeln, weil das gut für dem Umsatz ist. In diesem Fall war der Rechnungsbetrag ein entscheidender Beitrag zu ihrem Gehalt.
„Das macht dann 409 Euro und 26 Cent,“ flötete es dann auch, ich langte in mein Portemonnaie, während neben mir Erstickungsgeräusche laut wurden.
„Waaas, so teuer? Was haben Sie denn da für eine Brille?“
Manchmal frage ich mich, warum immer ich solche Situationen erlebe, die man eigentlich nur aus schlechten SitComs kennt. (Ich glaube, sie werden von hinter den Kulissen wartenden Drehbuchautoren absichtlich herbeigeführt, inspiriert durch die versteckte Kamera selig.)
„Eine ganz normale Alltagsbrille,“ sagte ich also und versuchte so lässig wie möglich die Banknoten über die Theke zu schieben.
„Das ist ja eine Wertanlage,“ tönte es neben mir. In der Tat. Oder wollte der mich jetzt verarschen, und ich habe es mal wieder nicht gemerkt?
„Meine Güte, was haben Sie denn an den Augen?“
Jetzt wurde ich sauer. Was hat man denn an den Augen?! Wimpern, Tränensäcke im fortgeschrittenen Alter, geplatzte Äderchen auf der Hornhaut, immer mehr Falten – und eine Brille! Mehr nicht!
„Ich bin kurzsichtig.“ Was soll man dazu noch sagen.
„Das ist ja kolossal,“ brummte der Typ, trat zwei große Schritte zurück (!), musterte mich, als ob ich eine ansteckende Krankheit hätte, und verschwand endlich durch die Tür nach draußen.
Ich glaube, ich war das erste mal so richtig konsterniert, wurde mir der Bedeutung so richtig bewusst. Hatte ich mich jetzt für alle weiteren GEspräche disqualifiziert, davon mal abgesehen, dass ich mit dem sowieso nicht mehr reden wollte? Hatte ich mir einen potentiellen Klienten durch die Lappen gehen lassen? Oder war das ein missglückter Angrabeversuch, wobei ich mich frage, was er an meiner abgewetzten Samthose und der verschwitzten kurzen Jacke fand, neben den strähnigen Haaren, der unreinen Haut und dem Ich-bin-eine-gestresste-Mutter-Zug um den Mund?
Ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall ist es mir einen Blogeintrag wert. Und ich weiß, dass ich auch aus finanziellen Gründen hoffentlich nicht so bald wieder einen Optiker aufsuchen werde oder muss – sonst fange ich wirklich an, dort Fallstudien zu betreiben. Auf Kosten der Krankenkasse!

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.