Mütter & Sex

Moni hat ihre Drohung wahrgemacht und ist heute morgen im Joggingdress beim KiGa aufgetaucht. Dumm nur, dass ich mich heute mal zurückgehalten habe. Sie ließ sich nicht stören und joggte also neben mir her, während ich einen etwas weiteren Weg ins heimische Office zurücklegte, und erzählte mir unaufgefordert von den ersten zwei wachen Stunden im Leben ihrer Familie.

Die sahen so aus, dass ihr Sohn heute morgen kurz nach halb sechs rübergetappelt kam, um ins elterliche Bett zu kriechen. Sie schickte ihn erst einmal aufs Klo mit der Folge, dass sie mitgehen musste. (Kinder sind besonders morgens sehr anspruchsvoll.)
Kaum zurück und in die Decken gekuschelt, war nur noch ein Drittel des Platzes vorhanden, denn Kinder machen sich gerne breit. Und meist schlafen sie auch nicht wieder ein, selbst wenn es noch himmelschreiend früh am Tag ist.
Irgendwann reichte es Moni, wie sie mir mit ausgreifenden Gesten und kurzem Atem ob des Joggens klar machte, und sie schickte ihren Sohn in sein Zimmer, damit er dort spielen könnte. Folglich musste sie auch mit aufstehen, um die Jalousie hochzuziehen – also noch mal das Ganze in die andere Richtung.

Nach der Rückkehr zu Mann und Bett war sie dann eher angelascht, konnte nicht mehr schlafen und „so entschied ich mich, den Tag mit ein paar ehelichen Pflichten zu beginnen“. Wörtlich.
Ich bewundere, dass man so offen über seine Beziehung reden kann, und ich hoffe jedesmal, dass der oder die Erzähler(in) nicht zu sehr ins Detail geht. (Ja, auch ich bin etwas schamhaft.) Sie schloss ihren Bericht mit den Worten: „Also hab ich mein Kind wegen Sex rausgeschmissen! Bin ich jetzt eine schlechte Mutter?“

Nein, ist sie nicht, und du auch nicht, liebe(r) Leser(in). Wir machen wahrscheinlich an der falschen Stelle einfach zu viel Wirbel, versuchen uns in einer Welt, die ihre Grundlagen verzweifelt sucht, selbst darzustellen wie die „Großen“ und „Arbeitssamen“, die die Gesellschaft angeblich so weit vorwärts bringen (ich sage nur: Globalisierung). Nehmen wir mal den Dampf raus und schalten einen Gang runter. Und wo ist dann, bitte, der Unterschied zwischen Männern & Frauen, Vätern & Müttern? – Es gibt keinen!

Also, wenn wir was erreichen wollen, holen wir uns am besten selbst erst mal vom Sockel, und dann atmen wir tiiiief durch und überlegen uns, wie wir uns die Zukunft vorstellen.

Kuscheln macht Spaß!

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