Liebe Autoren …

… die ersten zwei Monate des Wunderwaldverlags sind rum – Zeit, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Zunächst einmal ist da der Anspruch, dass alles, was man einschickt, sofort und komplett gelesen wird. Ja, das tue ich, wenn mir die ersten zwei Seiten gefallen, das Thema passt – und wenn ich die Zeit dazu habe. Denn 500 Seiten liest man nicht mal eben auf einen Sitz, auch nicht, wenn man sich einen kleinen Verlag aufbaut. Überschlag das mal: Wie lange brauchst du, um die Hälfte, also 250 Seiten, neben dem üblichen Tagesgeschäft zu lesen? – Genau, und dann tu das mal und achte dabei auf Rechtschreib-, Interpunktions- und Grammatikfehler. Auf alle, wohlgemerkt, und korrigier das auch gleich noch. Wie lange brauchst du demnach, um, sagen wir, 100 Seiten zu lesen? Wer das in weniger als einer Stunde schafft, kriegt von mir ein Eis 🙂

Weiterhin geht es natürlich ums Geld. Man soll es nicht glauben, aber manche Menschen tun es für Geld – Bücher herausbringen. Ja, auch ich gehöre dazu. Das sage ich deshalb so deutlich, weil mir erst heute wieder eine empörte Autorin mitteilte, dass sie bei mir nicht veröffentlichen wolle, weil sie nicht vor hatte, dafür etwas zu bezahlen. – Gut! Wenn sie nicht zahlt, kann ich ihr auch nichts geben. Denn auch wenn sich das so einfach anhört, mal eben Korrektur zu lesen, Angebote von Druckereien einholen, über die Vermarktung nachzudenken, die entstehenden Kosten für Versand und Lagerung zu berücksichtigen – das kostet auch noch Zeit, und die ist ja auch schon wieder Geld – und wenn ich die auch noch berechnen würde, wäre ein Buch wirklich unbezahlbar. Tue ich aber nicht, sondern nur die „direkten“ Kosten werden berücksichtigt. Und da die Post, die Druckerei oder die Stadtwerke ihre Ware auch nicht für Nippes abgeben, muss ich Fixkosten berechnen.
Weil ich aber eine nette Verlegerin bin, tue ich das pro Stück in Minischritten. Klar sieht man dann, dass für den Autoren am Ende nicht der Preis übrig bleibt, den man im Laden hinlegt, sondern nur – sagen wir mal – 20 %. Aber ist es euch lieber, schon am Anfang 300,- € hinzulegen, ohne das fertige Buch in der Hand zu haben? Das geht natürlich auch, und um so höher ist dann die Gewinnausschüttung. Aber wer will das schon?!

Mit ISBN ist es ja teurer! Auch das stimmt. Ja, eine ISBN kostet Geld. Die wird aber nicht einfach nur von einer CD-ROM auf das Buch gedruckt – bzw. beim Coverentwurf berücksichtigt – sondern es kommen auch Meldegebühren für Kataloge dazu. Und die Prüfziffern. Und der Versand der zwei Pflichtexemplare an die Bibliothek in Frankfurt. Und die Briefumschläge. Und die Briefmarken. Und die Arbeitszeit. Und dann noch diverse andere Beträge, die dafür zu entrichten sind.

Dann kann sich der Autor auch mal nach den Druckkosten erkundigen und wird feststellen: Die sind ja niedriger als das, was im Angebot stand. Aber die Verlegerin will da nicht etwa betrügen, sondern hat schon an die Zeit NACH dem Buchdruck gedacht, sprich: Versand, Lagerung, Verpackung etc. Und auch der Gewinn wird mitberechnet, denn so ein selbstloser Mensch ist die Verlegerin dann doch nicht, dass sie gar nichts dabei verdienen will. Ja, auch sie will leben! Und dabei ist ihr Gewinn noch der niedrigere, denn irgendwann kommt das Finanzamt und hält die Hand auf. Wie beim Autoren übrigens auch, sollte er einen Bestseller fabriziert haben.

Bedenkt bitte immer: Wenn ihr in Eigenregie etwas herausbringen wollt, ist das natürlich immer günstiger, weil ihr eure Arbeitsstunden nicht mit einrechnet. Und es wird wahrscheinlich auch kein Marketing etc. dabei sein. Aber Versandkosten bleiben, Druckangebote sind u. U. höher, weil ihr keine Großabnehmer seid, und ihr müsst es auch bei der Steuererklärung angeben. Am Ende des Jahres entscheidet das Finanzamt, was euch davon bleibt. Und es wäre doch bitter, einen großen Haufen Geld schmelzen zu sehen, oder gar aus den Resevern schöpfen zu müssen, weil man ihn schon ausgegeben hat – anstatt einen scheinbar kleineren Betrag in die Hand zu bekommen und zu wissen, dass das auf jeden Fall bleibt, oder?

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.