Ent-Schleunigung

Ein Blog ist dazu da, regelmäßig geführt zu werden. War ich früher bemüßigt, stundenlang und jeden Tag aufzulisten, was wieder Blödes in der Schule vorgefallen war – und was ich jetzt als Kinkerlitzchen abtue – komme ich heute gerade mal dazu, meine „Statistiken“ zu checken. So what, denke ich mir und verweise lässig auf den Sonntags-Zündfunk des BR2. Dort war von Entschleunigung die Rede. Einfach mal – langsamer machen. Durchatmen. Nicht so verkrampft hinter den Terminen herrennen. Und da ich ja dieses Jahr schon eine Woche Zwangspause zwecks Augen-OP hatte und diese auch sehr genossen habe (obwohl ich weder etwas gesehen habe noch lesen konnte) und mir nach der wohltuenden Pause der Drive irgendwie fehlt – werde ich jetzt bewusst entschleunigen. Ja.
Zwar sitze ich jetzt schon wieder vor dem PC und klopfe einsam vor mich hin. Zwar schaut mich der Arbeitsberg immer noch kritisch an – und drücken die amtlichen Papiere, die eine Antwort wollen – aber es gibt keine Fristen. Es gibt keine wilden Klingler, die jetzt sofort ihre Sachen haben wollen. Der einzige, der klingelt, ist der Postbote, und der hat in der Regel etwas für mich, das ich freudig entgegennehme, weil es meine Arbeit unterbricht und sie somit ent-schleunigt.
Ja.
Lustigerweise habe ich seit gestern – also dem Start der Ent-Schleunigung – fast doppelt soviel weggeschafft wie an anderen Tagen, an denen ich verkrampft vor der Tastatur saß und mir die Wörter aus dem Hirn gequetscht habe. Ich habe sogar wieder angefangen zu schreiben und selbst ein Angebot angenommen, denn das Selbst-Schreiben fehlt mir schon sehr. Ob es gut wird, ist mir eigentlich egal, denn Hauptsache: Ich darf mal wieder selbst was machen, das sich nicht in kurzen Beschreibungen und Werbetexten erschöpft. (Wobei sich das gerne erschöpfen kann, solange ich entspannt und ent-schleunigt bin 😉
Gibt es etwas schöneres, als sich seinen Berg selbst einteilen zu können und ihn so in eine Ebene zu verwandeln?

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