Wie Autoren Verlegern Freude machen

Ich hatte mir die Vorbereitungen für die kommende Messe ja etwas anders vorgestellt. Ruhiger, gesitteter, mit ausgewogenen Texten, für die in langen Gesprächen jedes Wort gedreht und gewendet wurde – dazu ein herber Wein oder ein sanfter Cognac am Kamin.

Es kam anders, denn selbst wenn man das Wort „Messe“ flüstert, werden Autoren sofort unruhig. Diese Unruhe äußerte sich z. B. bei Michael Milde und führte dazu, dass er sofort und in Eigenregie eine Autorenanthologie zusammenstellen wollte. Flugs schrieb er die „Saturn-Anthologie“ aus, freute sich über viele Zuschriften und versicherte mir: Ich mach das schon.

Nun, Verleger müssen sich idR das Gemecker der Leser anhören, auch wenn sie sich in zig Verträgen und Artikeln vom Inhalt distanzieren. Ich dachte mir also meinen Teil, denn wenn wir schon einen Autorenverlag haben wollen, müssen wir damit leben, dass gegebenenfalls etwas in die Binsen geht.

Vorgestern bekam ich dann endlich den Buchblock mit den Gewinnern zugestellt. Ursprünglich dachte ich: nur oberflächlich lesen und die Fehler rausmachen, ein bisschen den Satzspiegel verschönern – das soll´s gewesen sein. Aber dann hatte ich die erste Seite gelesen und fand: klingt doch ziemlich gut. Nach dem ersten Beitrag zog ich mir den zweiten rein, holte mir irgendwann noch einen Saft dazu und versackte schließlich ganz vorm Buchblock, um schließlich gegen 2.00 Uhr Nachts debil grinsend und müde ins Bett zu kippen. Da hat Michael Milde doch tatsächlich ein paar Juwelen an Land gezogen!
Ich weiß, wir Verleger neigen dazu, in Bezug auf unsere Autoren immer heftig zu übertreiben, vor allem, wenn es um die Öffentlichkeit geht. Aber in dem Fall ist es wie mit dem Marriage-Week-Band. Am Ende waren wir alle sowas von überrascht, dass wir am liebsten gleich weitergemacht hätten. Und um im Sinne der Wirtschaftskrise zu sprechen: Der Kosten-Nutzen-Faktor liegt in einem sehr angenehmen Bereich.

Ja, und wer will, kann sich auf der Leipziger Buchmesse die Saturn-Anthologie anschauen UND sogar kaufen. Noch weiß ich nicht, welche Autoren tatsächlich anwesend sein werden, aber es wird am 21.03. eine Lesung zur Anthologie geben. Bei Leipzig liest. Im Literaturcafé.

Ist doch was, oder?

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