Der Hahn kräht nach der Messe

Wie es auf der Messe war, konnte man letzte Woche zur Genüge überall nachlesen. Bei uns am Stand ging´s auch immer mal wieder um Bücher. Die Hauptsache waren aber die Autoren, die uns am Stand besuchten. Ein paar Geschichtenweber von der „Saga der Drachenschwerter“ schauten vorbei, Michael Milde, Eberhard Leucht und Miriam Pharo von der Smaragd-Saturn-Anthologie lasen und plauderten nett. Klar, wir sind alle toll und cool, weil wir irgendwann schon mal Buchstaben zwischen Buchdeckel gebracht haben. Wirklich schön ist es aber, auf einer Messe die Menschen hinter den Geschichten kennenzulernen.

Ganz und gar unaufgeregt war es, mal einfach nur dazustehen und rumzuschmarren, ein bisschen zu spinnen und mit vorbeikommenden Besuchern zu schäkern. Die Leute kennenzulernen, die all die netten Geschichten lesen sollen, die man erdacht hat. Die Seele baumeln zu lassen und eher lässig auf die Titel zu schauen, die da in den Regalen stehen. Ganz ehrlich: Verleger stehen auch gerne mal im Mittelpunkt, und wenn man sich in den Stand hineinbastelt, die Arme ausbreitet und stolz verkündet: „Das hab ICH (mit-)gemacht!“, oh ja, das geht runter wie Öl, tut der (Klein-)Verlegerseele richtig gut nach einer ziemlich stressigen Zeit.

Wir vom Verlagswesen müssten ja eigentlich auch immer „up to date“ sein. Möglichst minutengenaue Infos zu Buchveröffentlichungen bringen, „News launchen“, signierte Exemplare bereithalten, immerzu Lesungen planen und was weiß ich nicht noch alles. Schöne Welt rund ums Buch, möchte man sagen … wenn das Buch dabei nicht total in Vergessenheit gerät. Ich habe mir nach der Messe 2010 gesagt: Gib mir ein Wort, und ich mach ein Buch draus. Ganz ohne Glitzer und Glibber. Es geht ums Wort, nicht um das Geschäft, was man allzu oft vergisst. Reich und berühmt, paaah, das kann ich auch als weltbester Waschmaschinenverkäufer im Guinnessbuch der Rekorde werden. Aber ein guter Autor wird man nur, wenn man mit Wörtern arbeitet und nicht nach der Öffentlichkeit schielt. Es ist auch viel entspannter, wenn man den Ruhm draußen lässt. Das „Zwitschern“, das man ja heute angeblich betreiben muss, um bekannt zu werden, ist mir zu anstrengend geworden. Wenn ich nur noch zwitschere, komm ich ja nicht mehr zum Schreiben …

Oft habe ich mir während der Gespräche mit potentiellen neuen Autoren die Frage gestellt: Was wollen die jetzt eigentlich, Geschichten erzählen oder berühmt werden? Ja, ich weiß, das lesen Autoren nicht gerne. Aber ich muss das jetzt mal so offen sagen: Autoren, die berühmt werden wollen, müssen ganz anders an die Sache herangehen. Frank Schätzing hat´s vorgemacht, er ist ein Gesamtkunstwerk und hat es auch drauf, sich zu vermarkten. Viele andere wollen ihn kopieren und scheitern daran. Aber selbst Helga Müller, die 2009 den Lit-Nobelpreis gewonnen hat für die „Atemschaukel“, hat gesagt: „Wenn ich Kartoffeln schäle, bin ich doch ICH und nicht die Nobelpreisträgerin. Man kann doch nicht immer nur Preisträger sein, man ist doch auch Mensch“, (oder so ähnlich). Recht hat sie.

Geschichten von Menschen erzähle ich gerne, Geschichten von Berühmtheiten sind bestenfalls was für die Zeitung mit den großen Buchstaben. Nehmt es mir deshalb nicht übel, wenn ich den ganzen Literaturzirkus mit einem Grinsen bedenke und mir lieber noch einen Kaffee hole, statt den nächsten Grossisten willkommen zu heißen. Die Welt ums Buch wird ausgeschlachtet wie jeder andere Markt. Sollen sie doch. Ich kümmere mich um das, was zwischen die Buchdeckel kommt. (Und wer einen Fehler findet, darf sich gerne an mich wenden, vielleicht gewinnt er ja einen Preis.)

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