Neulich auf der Sternwarte

Saturn

Wir hatten sie uns mal wieder gegönnt, die Nikolaus-Kopernikus-Sternwarte in Nürnberg. Dort bekommt man nicht nur haufenweise Teleskope in allen Größen und Formen geboten, sondern auch fundierte Informationen, mit denen man durchaus Kreuzworträtsel und bei „Wer wird Millionär?“ mitmachen kann. Die Ehrenamtlichen, die sich dort freitags und samstags in die Dunkelheit stellen, sind die Spende am Ausgang auf jeden Fall wert!

Wie dem auch sei, wir standen und staunten also darüber, wie nah der Saturn mal wieder war, dass der Mond einer Akne-Landschaft ähnelt und dass die Plejaden ja auch gar nicht so weit weg sind, wenn man die richtigen Linsen vorm Auge hat. Im Hintergrund dazu referierte der diensthabende Ehrenamtliche, dass viele der Besucher mit der Popularität des Internets zunehmend enttäuschter über die Himmelslichter wären. Die Planeten wären ja „nur“ gelb oder weiß, im Internet dagegen hätte man die spektakulärsten Farbspiele. Es wäre nur schwer begreiflich zu machen, dass man mit einer Kamera Bilder länger belichten kann als mit dem menschlichen Auge oder einem Teleskop, und über diesen Diskussionen ginge die Faszination für die Materie verloren.

Immer energischer wurden seine Worte, und weil er seinen Emotionen noch ein dramatisches Moment verschaffen wollte, griff er zu einem Beispiel. Schwungvoll flog sein Arm nach oben.
„Da oben zum Beispiel, da ist die Andromeda Galaxie. Wenn das Licht hier unten bei uns ankommt, ist es schon 2,2 Millionen Jahre alt, stellen Sie sich das mal vor, 2,2 MILLIONEN! Da ist nix drangekommen, nix durchgegangen, kein gar Nix!“
Erwartungsvolle Stille antwortete ihm, und das Sakrileg, das ein nassforscher Zuhörer sich erlaubte, wog deshalb um so schwerer. Er hätte gar nicht so leise flüstern können, um den Moment trotz der unfassbaren Information, die er preisgab, zu retten: „Zwei Komma zwei Millionen – ich hab hier ein frisches Licht in der Taschenlampe, schau mal …“

Wie dem auch sei. Es war schön, und wir haben auch den Saturn gesehen. Und weils so schön war, kann ich jetzt nur noch die Smaragd-Saturn-Anthologie empfehlen, mit wunderschönen, handverlesenen Geschichten, ausgewählt von Michael Milde und deshalb auch schon fast vergriffen – deshalb jetzt noch schnell die letzten Exemplare der ersten Auflage sichern, bevor die zweite kommt 🙂

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.