Was Autoren nicht zu fragen wagen …

… sollte sich eigentlich nur auf die privaten Verhältnisse des Verlegers beschränken. Wer einen Verleger für sein Herzensprojekt findet, darf nicht schüchtern sein!

In letzter Zeit bin ich immer wieder über die „lieben Kollegen“ ausgefragt worden, weil es hin und wieder vorkommt, dass ich Manuskripte ablehnen muss (sei es, weil schon ganz viele Sachen geplant sind, sei es, weil es am Text noch einiges „nachzureifen“ gibt). Wie denn der XY-Verlag als Alternative wäre, denn über den hätte man schon ein paar nicht so schöne Sachen gehört.

Zunächst einmal: Über Kollegen lästert man nicht. Und schon gar nicht, wenn man mittendrin sitzt 😉 Ich kenne zahlreiche Verleger persönlich, ich kenne ihre Bücher – aber ich kenne ihre Vorgehensweise nicht. Zudem ist mir oft nicht ganz klar, warum sich manche Autoren nicht zu fragen wagen, was sie auf dem Herzen haben, denn letztlich ist und bleibt ein Buch ein Projekt – Kulturgut oder nicht. Es sind Herzenstexte, das ist klar, aber auch in dieser Angelegenheit ist falsche Bescheidenheit hinderlich. Ich spreche nicht davon, dass man den Verleger mit Stichwaffen bedrohen sollte, wenn man etwas gegen eine Textänderung hat, aber die Positionierung der eigenen (Autoren-)Meinung ist das A und O der literarischen Zusammenarbeit. Sonst weiß der Verleger nicht, was der Autor erwartet und kann es nur falsch machen.

Fragen, die Autoren auf jeden Fall stellen sollten
zu Rahmenbedingungen:
– Was kostet mich der Spaß? (Auch Nicht-DKZV können Kosten veranschlagen)
– Wann wird mein Buch veröffentlicht?
– Wann gibt es den Vertrag, das erste Honorar / die erste Marge?
– Wie sieht die Pressearbeit aus?
– Wie sieht es aus mit dem Anschluss an den Buchhandel?

zum Eingemachten:
– Wie läuft das Lektorat ab?
– Wer führt es durch? (Ganz wichtig! Wenn es die Oma ist oder die Nachbarin mit dem Sprachendiplom, kann es große Unterschiede geben! Auch befreundete Deutschlehrer handhaben das Lektorat anders als ein Lektor mit literaturwissenschaftlichem Hintergrund!)
– Wer ist für das Layout des Buchblocks zuständig? (ganz besonders wichtig für die Lesbarkeit!)
– Wer baut das Cover? (Hier evtl. auch versteckte Kosten ansprechen)
– Wie läuft die Druckfreigabe ab?

Verlag ist nicht gleich Verlag, deshalb ist auch die Frage gestattet, warum der Autor ausgerechnet bei diesem Verlag sein Buch veröffentlichen sollte – nicht umgekehrt! Der Autor braucht keinen Verlag, aber was ist ein Verleger ohne seine Autoren? Da darf man schon ein bisschen die Besonderheiten aus dem Verleger herauskitzeln.

Im Gegenzug sollten dem Verleger auch ein paar Fragen erlaubt sein:
– Über welche grundlegenden Kenntnisse verfügt der Autor? Je größer, desto leichter ist der Text zu bearbeiten. Auch: Wie grammatikfest ist der Autor?
– Welche literarischen Erfahrungen hat der Autor bereits gesammelt?
– Gibt es Veröffentlichungen?
– Wie weit geht die Bereitschaft des Autors zur Mitarbeit? Hier höre ich schon die ersten empörten Schnauber, aber die Erfahrung zeigt – auch bei den Kollegen: Es gibt viele Autoren, die nicht wissen, was die Bewerbung eines Buches mit sich bringt bzw. sind nicht bereit, etwas beizutragen (gerne darf es hierzu böse Kommentare hageln), was über ein Interview in der Lokalzeitung und eine Lesung hinausgeht. Bei Kleinverlagen sollte jedoch gemeinsam für das Buchprojekt geworben werden – anders ist es gar nicht möglich, darauf aufmerksam zu machen.

Also, Verleger und Autoren, traut euch! Fragt, dass es nur so knistert,
sagt die Verlegerin des Wunderwaldverlages
Michaela Stadelmann

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