Zahlungsmoral von …

Es wird ja immer gerne und viel über Verleger gelästert und geschimpft. Sei’s drum, so ist das nun mal. Wer es nicht abkann, ist definitiv in der falschen Branche unterwegs.
Was in dem Zusammenhang aber wirklich nervt ist, dass man als Verleger, wenn man ausm Nähkästchen plaudert, erst mal ganz viele böse eMails bekommt. Ich hoffe, dass es diesmal nicht der Fall ist, auch wenn sich manche auf den Saum getreten fühlen könnten. Denn es geht um die – Zahlungsmoral.

Es ist jedem bekannt, dass Bücher Geld kosten. Bis vor ein paar Monaten war es auch so, dass Bücher, die privat über den Verlag bestellt wurden, anstandslos einen Geldtransfer nach sich zogen. Seit Anfang des Jahres scheint aber so etwas wie „Zahlungsunlust“ aufgekommen zu sein. Wenn ich den Stapel der 2. und 3. Mahnungen sehe, die ich letzte Woche verschickt habe, wird mir übel. Was ist da los? Und vor allem: warum? Bücher sind nämlich nicht so teuer, dass sie nur für ein gewisses Klientel erschwinglich sind.

Es ist kein Problem, wenn mal was vergessen wird. Dann gibt’s eine höfliche Anfrage und die Sache wird (meistens) erledigt. Wie bescheuert ich mir allerdings bei der 2. und 3. Mahnung an Autoren (!) vorkomme, die 10-20 Bücher zum Eigengebrauch erwerben, kann man sicher nachvollziehen (vor allem, weil es sich selbst da um eine eher geringe UND freiwillige Abnahmemenge handelt).
Da ich keinen DKZV betreibe, sind die Buchverkäufe die einzige Einnahmequelle, und das möchte ich auch nach Möglichkeit beibehalten. Wenn es allerdings so weitergeht, dass jetzt nicht mal mehr die produzierten Exemplare Geld einbringen, bleibt mir wohl nur noch, entweder gegen Vorkasse zu liefern oder tatsächlich den Autor zu Vorleistungen zu zwingen.
Bei Anthologien besteht immerhin die Möglichkeit, die betreffenden Beiträge wieder aus dem Buchblock zu nehmen und sich zu fragen, warum man eigentlich noch Wettbewerbe ausschreibt … Immerhin ist eine Veröffentlichung für einen ambitionierten Autor wichtig. Und ich weiß nicht, ob sich schon mal jemand überlegt hat, wieviel Zeit man braucht, um eine Anthologie zusammenzustellen UND zu lektorieren? Es ist weniger Zeit, als man für ein Buch mit einer Handlung mit ca. 200 Seiten braucht, das ist richtig. Aber man muss sich viel mehr konzentrieren, damit jeder Autor auch wirklich SEINEN Vertrag, SEINE Geschichte zur Druckfreigabe zurückbekommt. Das zusammen mit dem miesen Bild, das Verlegern angehängt wird, macht keinen Spaß mehr. Und deshalb bitte ich Autoren und Käufer, sich auch an die eigene Nase zu fassen, wenn wieder mal ein Klein(st)verlag, der ganz spezielle Nischen ausfüllt, aufgelöst wird, denn es liegt mitnichten immer nur am Großhandel.

Ich möchte auch zukünftig meinen Verlag ohne Unterstützung eines Inkassobüros betreiben!

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