Die mystischen Helden der Anthologien

Mystische_HeldenJa ja, die Anthologien. Sind ja eigentlich auch nur Geldmaschinen für Verlage. Möchte man meinen. Denn wenn man ganz genau hinschaut: Welcher der Autoren finden denn tatsächlich den Weg zu einem lukrativen Verlag? Welche Autoren schreiben nicht unzählige Kurzgeschichten, reichen sie bei noch mehr Wettbewerben ein und können sich irgendwann aus ihren Belegexemplaren ein Bett bauen? – Unendlich viele. Und trotzdem sind Anthologien im Buchhandel viel geschmäht und werden fast nicht gekauft, außer es wird ausdrücklich danach verlangt. – Warum eigentlich?

Im Grund sind Kurzgeschichten Märchen, und wer früher bei der Gute-Nacht-Geschichte aufgepasst hat, weiß, dass Märchen Kulturgut sind. Gratis dazu gibt es hin und wieder ein wenig Moral, zumindest aber eine Lehre und / oder das gute Gefühl, dass es ja nur eine Geschichte ist, die packend, spannend, erholsam, manchmal auch entspannend oder einfach nur schön ist.

Als ich die erste Antho herausgegeben habe, war ich skeptisch. Ob das überhaupt funktioniert? Und wie ist das, wenn man mit mehreren Autoren zusammen arbeitet? – In erster Linie ist es eine interessante Sache für beide Seiten. Ich finde es spannend, weil man sich immer wieder umstellen muss. Jeder Autor hat andere Qualitäten, mitunter dringt man auch in Bereiche vor, die einem sonst verschlossen bleiben. Selbst wenn die Anthologien, die man herausgibt, nicht weltbewegend oder bestsellerverdächtig sind (wer will schon einen Bestseller schreiben?!), kommt mit jeder Geschichte etwas anderes herüber, das mir als Verlegerin weiterhilft. Wenn man ganz ehrlich ist, könnte man ohne die Mitarbeit der Autoren gar nichts machen, egal wie toll man mit Buchdeckeln herumwirft.

Wenn eine Antho dann auch noch ein bisschen Erfolg hat – also nicht nur von den Autoren bestellt wird – und die ersten (Fremd-)Rezensionen eintreffen, ist das etwas ganz Besonderes. Aha, denkt man sich dann, die Welt da draußen gibt Laut. Die Arbeit ist angenommen worden. Selbst bei weniger guten Rezensionen ist es ein Trost, dass im „medialen“ Zeitalter noch auf das Uralt-Produkt „Buch“ reagiert wird. Und nicht zu vergessen: die Kulturgüter „Geschichten“.

Eine Anthologie, die mir besonders am Herzen liegt, heißt „Mystische Helden, Wald ohne Wiederkehr“ und wurde von Thomas Tippner angeregt. Feine Sache, das, wirklich. Ein wenig Fantasy, ein bisschen Mystik – genau das Richtige für die freie Stelle unter dem Weihnachtsbaum 🙂

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