Adventskalender: Weihnachtsglaserl

Da sind sie wieder, die Weihnachtshasser, selbsternannten Überdrüberflieger und Alleswisser. Im Advent tauchen sie an die Oberfläche, laufen vor Punschhütten Amok. Wer sich an sie mit der Frage „Wissen Sie, was an Weihnachten gefeiert wird?“ wendet, wird böse angestarrt, als ob der Leibhaftige ein Engelskostüm trägt.

Jesus, der Retter ist da. Stille Nacht, oder? Die Familie steht einträchtig vor dem Weihnachtsbaum und singt lauthals so falsch es eben geht. Aber immer nur die erste Strophe. Die sechste Strophe ist da meilenweit entfernt. Und dann werden einander Geschenke an den Kopf geworfen. Weihnachten, hm …

Weihnachten und Wein, ist ja fast dasselbe. Weil es so ist, finden Umtrunke nicht nur vor Punschhütten, sondern bevorzugt in christlichen Haushalten statt. Wir haben uns alle so lieb. Weihnachten gibt es allerlei Reibereien, Schlägereien, Raufereien. Scheidungsgrund, Trennungsgrund, Gefangenschaftsgrund.

An Weihnachten gehen alle Schleusen auf. Und wenn dann erst der Wein im Spiel ist. Katastrophe pur. Darum ganz im Vertrauen geschrieben: Weihnachten ist kein Punschhütten-Festgelage, kein Engerlstelldichein, kein Lobhudeleien, kein Weingeistbefreiungsfeiertag, kein Miteinander tun als ob.

Weihnachten ist das Fest der Geburt des Weinliebhabers Jesu, der die Oberflächenspannung des Wassers überwinden konnte. Weihnachten weist über die Spiegelung des Menschen im Weinglas hinaus. Weihnachten kann jedes Jahr Kopfschmerzen überdauern. Wir schauen ins Glaserl und sehen den Menschen, den wir lieben. Im Wein liegt die Wahrheit. Oder haben Sie noch nie vom Blut Christi gehört?

Mehr von Jürgen Heimlich: http://litlimbus.de/Titel/Dauergluehen.htm

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