Zwanzigseiter: Das Haus in der Löwengasse von Petra Schier

Klassischer Einstieg: Eine Frau, Pauline, erwacht und konfrontiert sich und den Leser sofort mit ihrer fiesen Vergangenheit. Sie ist ein gefallenes Mädchen, das von seinen Brotgebern auf die Straße gesetzt wird, nachdem man sie aus dem Gefängnis geholt hat. Die Postkutsche wird man noch finanzieren, aber das war es dann auch schon, und der Leser weiß, dass er sich gedanklich in die Vergangenheit zu begeben hat.

Der Leser muss sich auch mit dem Blasendruck der Protagonistin auseinandersetzen, was zwar in jeder Epoche durchaus menschlich, aber mir immer irgendwie befremdlich vorkommt: Ja, wir „müssen“ alle mal. Aber ich gehöre noch zu der Generation, die das nicht unbedingt erzählt bekommen „muss“. Zudem sehe ich keinen literarisch zwingenden Zusammenhang für die Geschichte – sie muss, na und?

Weiterhin lerne ich: Auch damals – wann immer die Geschichte spielt – gab es Arbeitsvermittler, die man anscheinend auch „Agenturen“ nannte. Und was „damals“ noch viel offensichtlicher geschah: Ihr Brotherr hat sie dazu gebracht, mehr in ihm zu sehen, als nur den Brotherrn. Endlich mal ein Text, der sich mit der Abhängigkeit der Frauen in der Vergangenheit beschäftigt! (Und gleich fragt man sich: Ist es heute wirklich anders?)

Dann steht Pauline in Köln und gerät zufällig an eine Stelle beim Textilfabrikanten Reuther. Der Leser erfährt zudem von ihrem Schicksal – Eltern tot, aufgewachsen beim Onkel, umfassende Ausbildung mit allem, was eine gesellschaftsfähige Dame können muss (singen, unterhalten, Pianoforte spielen) und wie grau ihr Alltag von nun an wird, denn sie ist „nur“ die Magd, die zudem den schlechtesten Stand bei den anderen Angestellten hat. Ja, und so rhabarbert es sich dann auch weiter bis zum Ende der Leseprobe: Ellenlange Absätze mit noch längeren Monologen, Absätze voller Leid der Protagonistin, einfache Sätze, die hingeworfen wirken und es wohl auch sein sollen.  Die Rezensenten beurteilen ihn durchweg als „Liebesroman ohne Kitsch“, „historischen Roman mit Suchtpotential“, „einfühlsam und feinsinnig“, aber mir kommt er zu schwer in die Gänge, zumal auch die Umgebung grau bleibt: Da ist eine tragische Heldin, dann kommt der strahlende Held … nun ja! Eine einzige Rezension drückt aus, was ich denke: schon etliche Male gelesen, seicht, ohne Tiefgang, aber nett und als leichte Unterhaltung geeignet. Was will man mehr?

Okay, der Roman ist bei rororo erschienen und die Autorin legt auch nicht das erste Buch vor. Aber vielleicht bin ich schlichtweg nicht in der Zielgruppe.

Das Haus in der Löwengasse von Petra Schier, E-Book 8,99 €, Taschenbuch 8,99 €, Audio 19,95 €

Auch bei Thalia erhältlich

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