Messecountdown: Karneval der Eitelkeiten

Ja, ich weiß, es heißt „Fegefeuer der Eitelkeiten“, aber da sich die meisten hinter der Maskierung „Verleger“ oder „Autor“ verstecken, spreche ich von Karneval. Demnach lautet die Frage nicht: „Wer kommt noch?“, sondern: „Wer geht noch und als was?“
Es ist jedes Mal, egal in welcher Rolle man nach Leipzig kommt, erhellend und erheiternd zugleich, wie stereotyp, ja, geradezu unsensibel in dieser Branche auf die Verwendung bestimmter Worte reagiert wird. Dabei müssten doch gerade wir so was von fit in Semantik & Co. sein. Aber da kommt uns wahrscheinlich die hormonelle Komponente in die Quere, der Gruppenzwang und was dazu an psycho- und soziologischen Einflüssen noch herumfliegt. Wenn man die grobe Einteilung Verleger–Autor vornimmt, hat jeder ein ähnliches Bild im Kopf, das sich mit ein bisschen Küchenpsychologie demaskieren lässt: Ambitionierter Autor mit coolen Ideen und zerschlissenen Pulloverellenbogen trifft auf selbstgefälligen Verleger mit dickem Portemonnaie und Nadelstreifenanzug.
Oooh, werden jetzt manche sagen, der arme Autor wird gleich an der Blasiertheit des Verlegers scheitern! Typisch, meinen die anderen, der gebildete Verleger wird gleich an dem begriffsstutzigen Autor scheitern. Und wisst ihr was? Beide haben Recht und das alles geschieht unabhängig vom Bekanntheitsgrad des Autors und der Verlagsgröße! Denn da kann sich weder der eine noch der andere trotz des Wissens, dass man sich ganz nach Klischee verhält, der Situation entziehen. Und woran liegt’s? Natürlich an unserer Einstellung.
Trotz der wortlastigen Branche sind wir Menschen Augentierchen mit einer Wahnsinnsreaktionszeit auf alles, was knallbunt ist, der Rest tritt in den Hintergrund. Folglich werden wir euch visuell und akustisch so verwirren, dass gar keine Zeit mehr für die üblichen Klischees bleibt. Das bedeutet: Ihr werdet uns als schimmerndes, seriöses, mantelschwingendes Trüppchen kennenlernen, und wir werden unter den Klamotten ganz normal bleiben. Ich verspreche mir davon, dass nach Aufhebung der visuellen Klischeebarriere endlich Raum für die echten Messegespräche ist, also was der Autor hat und was der Verlag bietet, ob man gemeinsam ein existierendes Projekt umsetzt oder ein neues kreiert – und dann, wenn am letzten Tag, quasi am Aschersonntag, die Lautsprecher das Ende der Messe verkünden, nehmen wir unsere Masken ab und siehe da: Drunter sind wir immer noch genauso, als hätten wir uns nie zum Glitzern hinreißen lassen.
Also keine Angst, kommt uns besuchen in Halle 2, Stand H302, bringt eure Manuskripte, Ideen, Ehegatten und Lebensabschnittsgefährten nebst Sprösslingen mit, wir freuen uns auf euch!

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Eine Antwort zu “Messecountdown: Karneval der Eitelkeiten

  1. Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Bunt und Buntern, ach! Das klingt herrlich verrückt :3

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