Welcher Autor traut mir zu …

… dass ich seinen bzw. ihren Text auf Augenhöhe begreife?

Immer wieder stoße ich im Netz auf Kurzgeschichten von ambitionierten Schreibern, denen ich an dieser Stelle ganz ernst gemeint gratuliere: Man braucht heute immer noch die gleiche Portion Mut, Herzbluttexte ins Netz zu stellen wie vor 50 Jahren bei einer „Face-to-Face-Lesung“ (das heißt eigentlich nicht so, aber englische Begriffe erzielen idR eine höhere Trefferquote beim „Googeln“). Und in vielen dieser Mut-Texte stecken so coole Ideen, dass ich mich frage, warum diese Kurzgeschichten es nicht zwischen Buchdeckel schaffen oder bei Anthologiewettbewerben eingereicht werden … Aber darum geht es mir in diesem Post nicht, mein Anliegen ist eher frickeliger Natur.

Obwohl keine starren Lektoratsregeln (und auch keine Ausbildung für diesen Beruf) existieren, gibt es so was wie ein „Textgefühl“, das man entwickelt, wenn man den lieben langen Tag nix anderes macht als zu lesen und über das Gelesene nachzudenken. Und wenn ich zwischendurch quasi zur eigenen Erbauung herumsurfe und auf diese Art von Texten stoßen, ja – dann möchte ich manchmal doch einen Hinweis geben. Es geht nicht darum, dass ich es besser wüsste – kann ich gar nicht, weil jeder Text individuell vom Autor geprägt wird – sondern egoistischerweise darum, den Mensch hinter der Kurzgeschichte zu fragen, warum er z.B. nur an der Oberfläche bleibt oder ausgerechnet diese Formulierung gewählt hat (und anhand dieser Erkenntnisse zu beobachten, ob und wie sich der Text weiterentwickelt). Oder warum es so wichtig ist, dass er oder sie einen „langen“ Text produziert. (In vielen Fällen stecken dahinter persönliche Gründe, d.h. man würde evtl. mit dieser Frage dem Schreibenden aufs Zahnfleisch fühlen.) Manchmal stolpere ich aber auch über Formulierungen, die aufgrund der starken Verbreitung so abgenutzt sind, dass man an dieser Stelle als Autor durch Einfallsreichtum glänzen könnte.

In der Vergangenheit hatte ich mich zum NaNoWriMo derart geäußert, dass ich es „bizarr“ finde, wenn man nur auf die Wortanzahl Wert legt und den Inhalt vernachlässigt. Der Begriff war unglücklich gewählt, wie ich an den E-Mails erkennen konnte, die kurz darauf mein Postfach füllten. Leider ist es zu keiner weiteren Diskussion gekommen, weil es nicht zum Austausch von Textbeispielen kam, an denen ich mir quasi eine echte Meinung „über die Wortanzahl hinaus“ hätte bilden können. Inzwischen habe ich andere Beispiele von anderen Schreibern im Netz entdeckt, die sich auch am NaNoWriMo beteiligt haben, wie aus ihren Blogposts zu ersehen ist. Die Kurzgeschichten greifen durch die Bank Themen, Momente, Konstellationen auf, die man nicht unbedingt im Buchhandel findet und die sich in meinen Augen vom Einheitsbrei abheben. Aber jetzt habe ich das Problem, dass ich furchtbar gern mehr über die Texte und die Autoren erfahren würde und nicht weiß, wie ich fragen soll. Denn ich scheine pauschal erst mal als „arrogante Verlegerin“ wahrgenommen zu werden, auch wenn ich nicht ganz so flapsig daherkomme. Manchmal denke ich, dass schlechte Rezensionen eher toleriert bzw. ignoriert werden, wohingegen ich mir o.g. Vorwürfe machen lassen muss. Dabei bin ich im Gegensatz zum Rezensenten bereit zur Diskussion! Es geht mir nicht um das „Abhandeln“. Ich sehe es als sehr ergiebigen Bestandteil meiner Arbeit an, über einen Text mit dem Autor zu reflektieren, auch wenn es „nur“ um Belletristik bis hin zur leichten Unterhaltung geht.

Also, wer will, wer mag, wer möchte über seinen / ihren NaNoWriMo- oder anderen Text mit mir diskutieren? Ganz ohne Hintergedanken, kostenlos, wertfrei? Link zur Geschichte genügt. Meinen Kommentar schicke ich vorab per E-Mail, und wer dann immer noch mag, kann meinen Kommentar oder auch die ganze Diskussion in seinen Blog stellen.

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34 Antworten zu “Welcher Autor traut mir zu …

  1. Auf Augenhöhe? Ich denke, vielen Autoren geht es SO: Der Verleger/die Verlegerin steht „oben“ und schaut auf den Text(er) hinab – nicht herab. Man will ja was. Der Verleger aber auch. Wenn Autor und Verleger EINE Sprache sprechen, sind beide nicht weit weg von „Augenhöhe“. Und das kann dann befruchtend sein – für beide Seiten.

    • Wir sind ja gerade mit dem Karpatenbogenprojekt zugange: Geht es Ihnen mit mir auch so?

      • ein wenig schon, ehrlich … liegt aber daran, dass wir uns noch nicht so gut kennen, alsdass die einzelne „Größe“ bekannt wäre. Manchmal bin ich kleiner als 165, ein anderes Mal habe ich das Gefühl, über mich drüber schauen zu können. Und was meine „Arbeiten“ für das Projekt angeht, hoffe ich auf eine Höhe, die über die Schreibtischkante hinwegblicken kann …

      • Okay … dann werde ich mir mal Gedanken machen, denn wenn das Gefühl bei Ihnen entsteht, dann ist vielleicht auch was dran.

  2. Ein tolles Angebot. Ich würde es gern wahrnehmen. Vielleicht mit meiner Kurzgeschichte: „Die roten Traumschuhe“ https://evajoachimsen.wordpress.com/2013/03/01/die-roten-traumschuhe/.
    Ich habe mehrere Male beim NaNoWriMo mitgeschrieben. Es ist eine schöne Gelegenheit, seinen inneren Schweinehund zu überwinden und sich wirklich die Zeit zu nehmen, etwas zu schreiben. Für längere Romane ist der Monat natürlich zu kurz. Mein Problem dabei war, dass ich irgendwann einen Stapel Texte hatte, aber nie die Zeit, sie wirklich intensiv zu überarbeiten.

  3. Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Augenhöhe gnihihi.
    Ne, im Ernst. Mir wäre es zumindest nie so vorgekommen, dass du etwas von oben herab betrachtet hättest. 🐾🐱

  4. Pingback: Welcher Autor traut mir zu … | Lesbar und Texterei von Texthase Online

  5. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Schreibende glauben, dass man als Autor nur etwas aufzuschreiben brauche und schon hätte man einen guten Text fabriziert. Dass dann auch noch Handwerkskunst und Arbeit auf das Rohmaterial angewendet werden müssen, muss man erst lernen. Und man kann es nur lernen, in dem man sich mit anderen, möglichst kritischen Geistern darüber austauscht. Dafür braucht man dann wieder ein dickes Fell, denn wer lässt schon gern andere sein Baby kritisieren? 😉

    Am besten ist sicherlich: immer ehrlich bleiben und alles begründen. Entweder Autor/in verträgt das dann oder eben nicht.

    • Danke für diesen Kommentar 🙂
      Jetzt wünsche ich mir ganz viele Autoren mit dickem Fell, die auch mit der weniger positiven Kritik umgehen können und – Achtung, Polemik – nicht gleich bei Facebook petzen gehen, was für ein blöder Hund der Verleger XY doch ist. Auf der anderen Seite freue ich mich auch über Kritik jeder Couleur, und ein dickes Fell habe ich auch.

  6. Ein tolles Angebot – ich hoffe, es finden sich einige Leute, die mitmachen 🙂
    Was den NaNo (oder das Camp dazu) betrifft, kann ich mich Eva nur anschließen (ich produziere dort aber eh nicht die Wortzahlen wie andere, sondern nur den Bruchteil davon) – grundsätzlich nehme ich auch immer teil, nutze dies aber als Anreiz und Anlass aktuelle oder aufgesparte Projekte anzugehen und besser voranzukommen. Denn gerade während des NaNos findet man an allen Ecken und Enden motivierte Autoren, die mit einem zusammen schreiben, Schreibtage und -touren veranstalten, gemeinsame Aktionen machen etc.

    Und was die Augenhöhe betrifft – so muss ich Katharina insoweit zustimmen, dass das für mich gerade für unbekannte Verleger gilt – denn im Prinzip besteht der Erstkontakt zwischen mir und dem Verleger/der Verlegerin meist darin, dass ich ausharre, welches Urteil der Verlag über meinen Text fällt. Da kommt man sich als Autor eher klein und unbedeutend vor. Wie das jetzt ist, wenn der Erstkontakt nach einer Veröffentlichung im Internet vom Verleger ausgeht, kann ich allerdings nicht beantworten, da ich in aller Regel meine Texte nicht ins Internet stelle – Kurzgeschichten eh nur selten ohne Anlass schreibe.

    Ach und die Kritik – genau @Corinna 🙂 Natürlich ist es nicht leicht, sich seine Texte kritisieren zu lassen, wo dort teilweise viel Arbeit drin steckt. Aber da muss man durch 🙂 Wobei hier für mich auch verschiedene Stufen gelten – bei der Überarbeitung und der Kritik im Vorhinein greife ich diese gerne auf, diskutiere darüber und begründe auch meine Meinung – übernehme dies aber (zumindest wenn Zweifel bestehen) nicht in jedem Fall. Bei der Kritik im Lektorat hingegen übernehme ich die grundsätzlich nur nicht, wenn ich absolut von einem Fehler überzeugt bin – sonst gehe ich von der stärkeren Sachkenntnis des Lektors aus 🙂

    Ich hoffe, ich konnte die Gedanken halbwegs verständlich darstellen – etwaige Logik- und sonstige Fehler schiebe ich auf den stressigen Alltag 🙂

    Liebe Grüße
    Erik

  7. Hat dies auf Waldhardt Verlag rebloggt und kommentierte:
    Tolles Angebot der Kollegin vom Wunderwaldverlag.

  8. Ich nehme auch dran teil. Weiß aber nicht welche Geschichte du dir ansehen möchtest, daher stelle ich dir beide zur Auswahl:

    http://www.global-explorer.org/NiemanD/Tim.pdf

    https://docs.google.com/file/d/0B4HfctAZRrXhUi10ZlNGNVB0LVE/edit?pli=1

    • Ich schau mal nach – danke schon mal für dein Vertrauen!

    • Ich habe beide Geschichten angelesen und bin in beiden Fällen wegen deiner kreativen Zeichensetzung etwas verwirrt. Auch wenn Kommaregeln & Co. manchmal kniffelig sind: Schau sie dir an und übe den Umgang damit! Sonst geht’s dir wie Opa in diesem Satz:
      Wir essen jetzt, Opa
      vs.
      Wir essen jetzt Opa.
      Der Online-Duden hilft dir hier verlässlich weiter!

      Zum Inhalt: In dieser Form funktionieren diese Texte m.E., wenn du daraus Skripte wie fürs Theater oder eine Filmproduktion machst, die Texte also auch tabellarisch in Blöcke aufteilst und den jeweiligen Sprecher voranstellst.

      Noch ein Tipp für die Widmung:
      Man schreibt „Gewidmet meiner Familie“, ohne „an, für“ o.ä.

      Viele Grüße & weiterhin frohes Schaffen!
      Die Verlegerin

  9. Also, von mir aus gerne :-)Hier mein Link:
    https://annaavital.wordpress.com/kurzgeschichten/
    Ich freue mich auf den Austausch. Viele Grüße, Anna

  10. Augenhöhe ist immer ein gute Einstieg. Manchmal erweist es sich dann im Laufe des Gesprächs aber doch dass der/die Mitredende ein bisschen zu kurz oder zu lang geraten ist… 😉
    Prinzipielll aber ist das Angebot großartig!!! Und wenn ich schon soweit wäre würde ich sofort drauf anspringen.
    Da in meinem direkten Umfeld leider keiner wirklicher Fantasy-Fan ist finde ich auch nur sehr wenige Kritiker… Und meine Fanfiction wird in einer Fangemeinde gepostet, die sich sowieso über so ziemlich alles freut was sie zu lesen kriegt. (Obwohl ich auch da natürlich jedes Echo genieße dass ich kriege!!)
    Aber gerade das professionelle Feedback ist mit Sicherheit eine echte Chance!
    Ich hab im November zum ersten Mal am Nano teilgenommen. Und es als Anstoß genommen endlich mein eigenes Buch zu schreiben. Die 50.000 Worte waren für mich der Einstieg in meine eigene Welt… Einfach drauflosschreiben war genau mein Rezept um mich in meine Geschichte zu stürzen und die Reise zu beginnen. Von den 50.000 die ich im November geschrieben habe, werden es wohl nur ca. 30.000 ins fertige Buch schaffen, aber die übrigen 20k waren sozusagen wichtige Hinweisschilder auf dem Weg…
    Mittlerweile bin ich im Mittelteil angekommen und habe noch ne ganze Strecke vor mir… Aber ohne Nano? Würd ich noch immer nur träumen…
    😀

  11. Habe mir dieses liebe Angebot einige Tage durch den Kopf gehen lassen und bin irgendwie interessiert. Jedoch begleitet von einer gewissen Skepsis, weil meine Texte weder Fantasy noch bunte Blümchen beinhalten. Ich denke aber auch, dass es an meinen Texten so einiges zum ‚zerfleischen‘ gibt! 😉
    Also, ich will mal spontan sein und nehme das Angebot – sofern auch Du interessiert bist – an. Es ist ja auf keinen Fall so, dass ich mich nicht verbessern wollen würde und immer nur ein ‚toll gemacht‘ bringt nicht weiter! Würde mich sehr freuen über eine ganz ehrliche Meinung zu einem meiner Texte. 🙂 Liebe (beinah um Nachsicht bittende) Grüße von Amy 😀
    http://becauseimdeadinside.com/category/kurzgeschichte/

    • Hallo Sanguine, kleine Korrektur: Es geht mir beim Lesen weder um Blümchen noch um Fantasy, sondern schlicht um den Schreibstil, die Beherrschung der Basics etc. Ich schicke dir meine Eindrücke per Kontaktformular, in Ordnung?
      Bis demnächst!
      Michaela

      • Hallo Michaela, verzeihung, ich dachte wohl irgendwie, dass Fantasie Geschichten bevorzugt werden. Aber ja, das ist in Ordnung, ich freue mich schon darauf! Und hoffe vielleicht etwas zu lernen.
        Liebe Grüße,
        Amy

  12. Gerne. Würde gern einmal eine Meinung zu meiner Kurzgeschichte Zauiber am See hören. Bin gespannt…

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