Habe nun, ach! Faustens Waterloo und meine Gehirnschmerzen

„Nenn mir dein ganz persönliches Waterloo!“, forderte eine Bekannte angesichts der allgegenwärtigen Napoleon-Verzückung. Et voilà, hier kommt der Faust-Monolog, mein Eins-zu-eins-Monolog, daraus die ersten sechs Zeilen:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

http://www.gedichte.vu/?faust_monolog.html

Nee, ich habe außer vor meiner leiblichen Mutter vor keiner anderen Alma Mater ehrfürchtig das Knie gebeugt. Ich wohne nur zufällig in einer Unistadt. Aber ich habe Bücher und Zeitungen vieler Sparten gelesen und darüber diskutiert, soweit es mir möglich war, und viele Dinge auswendig gelernt, weil ich dachte, dass ich damit am sichersten die Weisheit in mich hineinlöffele. Was soll ich sagen? Es hat nicht funktioniert! „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und Grün des Lebens goldner Baum.“ Mephisto in Goethes Faust auf http://www.wunderland-deutsch.com/post/Grau-teurer-Freund-ist-alle-Theorie-.aspx

Und selbst dieses „Wissen“ habe ich mir zusammengoogeln müssen, weil ich das Reclam-Heftchen aus Schulzeiten verschmissen habe (soviel zur „farbigen“ Praxis). Trotzdem begegnet mir der Faust immer wieder, als hätte er noch eine Sache mit mir zu klären. Da komme ich mir hin und wieder fast schäbig vor, wenn ich anderen erzähle, wie das mit der deutschen Sprache funktioniert – und ich eigentlich wie sie auf der Suche nach des Pudels Kern bin.

Witzigerweise stammen die meisten von mir verwendeten Wendungen aus dem mir so verhassten Faust, was psychologisch ziemlich interessant ist. Was bindet mich innerlich an diesen „Schweinehund“, der nicht mephistophelisch explodiert, sondern fröhlich in mir herumturnt und es bisher nur zum Randalieren in meiner Alchimistenkammer gebracht hat? Fast scheint es, dass meine Beruhigungsversuche, um die Kolben und Essenzen zu schützen, eher das Gegenteil bewirken und statt Erlösung die Erstarrung bringen. Andererseits mag ich dieses Spannungsfeld, aus dem immer neue Ideen kommen.

Fazit: Ich habe meine Schwächen wie jeder andere auch. Deshalb bin ich froh, wenn sich jemand mit mir auf die Suche nach der (Er-)Lösung begibt – die Expedition ist noch lang nicht zu Ende.

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