Aussortieren & was machen eigentlich die Vertriebenenverbände?

Da kamen plötzlich, kaum, dass der 2. Weltkrieg vorbei war, Zehntausende Menschen aus dem Osten, weil sie dort, in der Diaspora, nicht mehr leben durften oder konnten. Und das ging so lang, bis der „Eiserne Vorhang“ fiel. Und danach ging es noch eine Weile weiter …

Diese Vertriebenen – oder freiwillig Ausgewanderten, wie z.B. die Siebenbürger Sachsen – haben Erfahrung in Sachen „Raus-in-die-Fremde“. Die könnten sie jetzt einbringen. Oder wenigstens berichten, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn die „Fremden“ dableiben. Denn viele dieser Volksgruppe haben es in Deutschland zu Ansehen und Wohlstand gebracht – und nebenbei auch noch beim Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg mitgeholfen – und sind somit das Paradebeispiel dafür, dass ein Staat gerade mit „Fremden“ richtig rund läuft. Und dann gibt es vielleicht den einen oder anderen Tipp an exponierter Stelle, der aus den Erfahrungen der eigenen Einbürgerung resultiert – der das ganze Aufnahmeprozedere beschleunigt. Oder?

Und zum Thema aussortieren: Ich habe in meinem sozialen Netzwerk damit angefangen, bevor es asozial wird. Unter den Aussortierten befinden sich leider auch Jugendfreunde, die plötzlich „Überfremdung“ schreien und am liebsten eine neue Mauer um Deutschland ziehen würden. Was haben die wohl früher gedacht, wenn wir auf der Straße miteinander gespielt haben? Haben sie sich heimlich vor dem Dialekt gefürchtet, den ich damals noch gesprochen habe? Und was würden sie sagen, wenn sie wüssten, dass ich meinen deutschen Pass erst lang nach meiner Geburt bekommen habe? Bin ich jetzt etwa auch Igitt für sie? – Ach, egal! Ich habe sie elektronisch gestrichen und bin nun um eine Erfahrung reicher. Trotzdem schade um die vielen gemeinsamen Erinnerungen, die jetzt einen bitteren Beigeschmack haben – ganz leicht nur, aber immerhin.

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3 Antworten zu “Aussortieren & was machen eigentlich die Vertriebenenverbände?

  1. Texthase Online

    Guten Tag,

    ich habe hier länger nichts geschrieben, obwohl ich immer wieder interessante Anregungen bekommen habe. Was das Thema dieses Artikels betrifft, denke ich, dass leider schon viele von denen, die etwas zu Flucht und Vertreibung sagen könnten, bedauerlicherweise bereits gestorben sind. Und mit ihnen sind Menschen gegangen, bei denen Kopf, Herz und Hand noch im menschlichen Sinn gut zusammengearbeitet haben. Darüber denke ich schon einige Zeit nach, da sich der 81. Geburtstag meiner Mutter am 14. September nähert. Sie kam aus Ostpreußen und war das älteste Kind ihrer Familie. Sie war zehn Jahre alt, als die Familie aus Freimarkt im Kreis Heilsberg fliehen musste. Sie fragt sich da oben bestimmt, warum es immer noch sein muss, dass Menschen die Erfahrung von Flucht und Vertreibung nicht erspart bleibt. Die mediale Ausschlachtung des Themas von allen Seiten reizt ihren Widerspruchsgeist, obwohl sie jetzt nichts mehr daran ändern kann. Lebte sie noch, würde sie es ablehnen, wenn ihre Hilfe für Flüchtlinge an die große Medienglocke gehängt würde. „Tue Gutes und Rede darüber oder lass‘ es fotografieren!“ Das wäre nicht ihre Sache. Aber vielleicht ist das nur ein Zeichen unserer Zeit, mit der sie in diesem Punkt nicht „kompatibel“ wäre.
    Liebe Grüße

    Christiane

    PS: Dazu gäbe es noch sehr viel zu sagen!