Wie ich’s gern hätte! Manuskripte

Was mir aufgefallen ist

Der Schreibwettbewerb zum Karpatenbogenprojekt hat mir Anfang des letzten Jahres so viele Manuskripte beschert wie in den sechs Jahren davor nicht. Es war viel Schrott dabei – sorry – etliche Sachen, deren Ursprung ich in bereits veröffentlichten Mainstream-Texten und -filmen vermutet und gefunden habe und einige wirklich coole Sachen, die leider nicht ins Verlagsprogramm passten, weil sie die von mir publizierten Genres nur streifen und letztlich den Eindruck vermittelten, dass diese Passagen nachträglich eingebaut wurden. (Ich weiß, das war ein langer Satz.)

Als ich vor zwei Wochen wieder eine Runde Absagen losgeschickt hatte, hatte ein Autor trotz meiner Begründung noch eine Frage, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Wie hätten Sie es denn gern?

Und um genau diese Frage nicht mehr nur mit einer kurzen Ausschreibung abzuspeisen, was anscheinend zu großer Verwirrung geführt hat, schreibe ich ab heute in loser Folge von Dingen, die ich von einem Text erwarte und die AutorInnen nicht nur bei mir weiterbringen. Ob große Verlage auf diese Punkte Wert legen, weiß ich nicht – den Eindruck habe ich jedenfalls nicht – aber was die literarischen Fähigkeiten betrifft, sehe ich großes Potential für euch Blogbesucher. Und ich bin immer noch felsenfest davon überzeugt, dass Qualität sich letztlich durchsetzt.

So. Nach dieser arroganten Selbstbeweihräucherung lege ich gleich los mit Textformen. Da gibt es wissenstechnisch bei vielen Autoren einiges nachzuholen. Wenn ein Autor im Anschreiben erwähnt, dass er mir eine Novelle beilegt und es sich allen Ankündigungen zum Trotz um eine Kurzgeschichte handelt – fail. Wenn ein Autor mir seinen Roman konsequent als „ausgesuchte Lyrik“ anpreist – nope! Wenn jemand behauptet, seine Kurzgeschichte sei ein geistreicher Essay zu dem von mir gewünschten Thema – ach …

Das Anschreiben einer Manuskripteinsendung hat für mich die gleiche Bedeutung wie das Deckblatt einer Bewerbung für eine Arbeitsstelle (womit ich in einem anderen Leben zu tun hatte). Und es ist tatsächlich so, dass solche „kleinen“ Begrifflichkeitsfehler sich durch das komplette Manuskript ziehen. Deshalb bitte ich inständig, wenigstens Wikipedia zu bemühen, wenn schon kein Konversationslexikon nebst Eichenschrankwand mehr vorhanden ist. Außerdem schadet es nie, einen gebildeten Eindruck zu machen, auch nicht bei einer Klitsche wie meiner.

Dass viele Autoren meinen, besser als der Verleger zu wissen, was er sich wünscht, gehört ja schon zum Alltag. Trotzdem frage ich mich jedes Mal, warum mein Briefkasten von Dreihundertseitenmachwerken verstopft werden muss. Manchmal bekam und bekomme ich mehrere pro Tag, was wiederum unseren Briefträger nervte und immer noch nervt (aber wir hatten und haben Zeit für ein kurzes Schwätzchen). Denn wenn jemand auf der ersten Seite Klopper drin hat, findet man die auch auf Seite 2493. Das gilt ebenfalls für geniale Einfälle. (Aber das mit dem Briefkasten ist dann trotzdem ärgerlich.) Deshalb: Wenn ihr mir etwas schicken wollt, fragt erst per E-Mail an und schickt dann bitte auch wirklich nur die geforderten Seiten. Ich weiß, es ist ungewöhnlich, aber ich bin in der Hinsicht wirklich schnell zufrieden zu stellen.

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8 Antworten zu “Wie ich’s gern hätte! Manuskripte

  1. Dann werde ich nicht nur mein Anschreiben, auch den Text an sich wohl überarbeiten und anpassen müssen – die Messlatte ist hoch, doch nicht unerreichbar. Liebe Grüße aus dem Schreibkeller an die „Macht da oben“ …

  2. gute und klare Ansage! Top! 🙂 LG Annette

  3. Hat dies auf Erik Huyoff rebloggt und kommentierte:
    Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte, und nützliche Hinweise zum Anschreiben! Darauf sollte man bei der Verlagssuche unbedingt achten.

  4. Hat dies auf Glück ist für den Augenblick ein kleines Stück rebloggt und kommentierte:
    Alles eine Frage der Einstellung – wie man in den Wald reinruft, schallt es zurück. In schlechtesten Fall gibt es ne Absage …

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