Wie ich’s gern hätte! Wenn Autoren maulen

Am meisten stinkt mir – und dafür werde ich wahrscheinlich wieder mit entrüsteten E-Mails bombardiert – dass Autoren sich beschweren, wenn ich Anmerkungen zu Grammatik und all dem anderen ungeliebten Kram habe, die letztlich zu meiner Absage führen. Damit das klar ist: Ich habe die deutsche Grammatik nicht erfunden. Ich habe früher in der Schule genauso unter schlechten Noten gelitten und jeden ins tiefste Gerundium gewünscht, der versucht hat, mir den Unterschied zwischen Kaulquappenperfekt und Captain Future VI beizubringen. Richtig kapiert habe ich es mit dem Wachstum der ersten grauen Haare (das ging bei mir Mitte 20 los). Und ich behaupte, dass jemand, der sich nach der Regelschulzeit nicht mit derlei Studien foltert, genauso lang braucht wie ich, bis er hinter den Reichtum und die Möglichkeiten dieser fitzeligen Regelungen kommt. Manchmal dauert es einfach ein bisschen länger!

Dass jemand mein kostenloses Lektorat nicht zu schätzen weiß – na ja, die Welt ist nun mal undankbar, während ich trotzdem eine Runde Spaß hatte. Dass aber aus lauter Trotz genau diese Texte bei anderen Kleinverlagen erscheinen und die gleichen Fehler in den Texten stehen bleiben, ui, das ist arg. Klar, es ist eine Sache der Eitelkeit, dass man sein Machwerk veröffentlichen kann und jeder, der das in die Hand nehmen will, ist erst mal ein (Verleger-)Gott. Aber wenn die Rezis auf Amazon & Co. genau die gleichen Punkte bemängeln, ist der Spaß für den Autor vorbei. Dann hätte er oder sie sich den Weg über den anderen, vermeintlich besseren Verlag sparen können.

Will sagen: Autoren, die sich einerseits aufgrund belegbarer Mängel angegriffen fühlen und sich andererseits blind auf Verleger verlassen, weil sie Honig um den Mund geschmiert bekommen, sind selbst Schuld. Die Watsche kommt spätestens vom Leser (und Leser sind in der Hinsicht gna-den-los …). Denn unter den Kleinverleger-Kollegen sind viele, die keine Verlagsausbildung haben, sondern als Selbstverleger gestartet sind (wie ich), oder die sich dachten: Mei, das versuch ich jetzt einfach mal (wie ich). Es ist viel Learning by doing dabei, und mit der Zeit entwickelt man sich auch als Verleger oder sollte es zumindest tun. Quereinsteiger-Verleger werden meist besser, wenn die Autoren anspruchsvoller sind. Quereinsteiger-Verleger müssen sich trotzdem nicht alles gefallen lassen.

Deshalb meine Bitte an die Autoren: Wenn der Verleger eurem Text kritisch gegenüber steht, seid nicht beleidigt. Prüft, ob er evtl. Recht hat (was wehtun kann, wenn es so ist, aber mei, man lernt halt ein Leben lang dazu) und überlegt, ob sich eine Überarbeitung wirklich lohnt. Wenn euch ein anderer Verleger lieber ist – auch gut! Aber ihr gebt die Verantwortung wie das Urheberrecht für eure Texte nicht ab, egal wie vehement ihr bei Fehlern hinterher auf den Verleger zeigt.

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7 Antworten zu “Wie ich’s gern hätte! Wenn Autoren maulen

  1. Also… ich maule nicht… ich mauze :3

  2. Ich bin froh über jeden Hinweis, den ich zu meinen Texten bekomme. Meist war ich dann betreibsblind und habe meinen eigenen Fehler „übersehen“ oder sogar einen Fehler entdeckt, den ich niemals selbst gefunden hätte. Ich finde es sowieso schwierig, die eigenen Texte zu lektorieren. Natürlich versuche ich möglichst keine Fehler mehr drin zu haben, wenn ich eine Geschichte weitergebe. Aber das gelingt nicht immer (nur selten).

  3. Ich find’s gut, auch wenn ich bei der ersten Lektoratsrunde tief Luft holen musste … gerne mehr davon.

  4. Bücher bzw. allgemein Texte, bei denen sich die Fehler häufen,lese ich nicht bis zum Ende. Ich empfinde das als Respektlosigkeit gegenüber der Leserschaft. daher lohnt es auf jeden Fall, einen fachkundigen Kopf zusätzlich ans Werk zu lassen 😉

  5. und zack, Fehler im eigenen Text, da oben fehlt ein Leerzeichen und der Satz soll natürlich mit einem „Daher“ beginnen:-D

  6. Pingback: Wie ich’s gern hätte! Wenn Autoren maulen | Glück ist für den Augenblick ein kleines Stück

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