Selfpublisher und Waschmaschinen

Wie ich’s gern hätte!

Liebe Selfpublisher, ich will euch wirklich nicht alle über einen Kamm scheren, aber allmählich verstehe ich viele von euch echt nicht mehr: Euer Vorwurf gegen die Verlage lautet, dass sie sich „nur“ auf den Profit und das Geldverdienen konzentrieren. Habt ihr diesen Vorwurf eigentlich schon mal einem Autohersteller gemacht? Oder einem Lebensmittelhändler – dass diese bösen, bösen Kaufleute ihre Ware mit Gewinn verkaufen wollen und deshalb alles ablehnen, was langfristig kein Geld bringt?

Und wie isses mit euren Chefs in euren Brotjobs – werft ihr dem auch vor, dass sie Gewinn machen und deshalb die Produkte / Dienstleistungen / whatever gewinnbringend veräußern müssen, um euch eure Löhne zu zahlen?

Jaja, ich weiß schon. So habt ihr das nicht gemeint. Aber wie denn dann?

Und wenn ihr wirklich mehr Geld für eure Schreibkunst haben wollt – warum seid ihr dann gerade bei den Büchern so knauserig, die nicht ihr, sondern andere geschrieben haben? Warum sind euch dann 10 Euronen für 300 Buchseiten zu viel? Und wisst ihr, wie glücklich wir uns schätzen können, dass Bücher in Deutschland so günstig sind?

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4 Antworten zu “Selfpublisher und Waschmaschinen

  1. Man muss das vielleicht als Kaskade sehen:

    Ich habe mich erst an Verlage gewendet.
    Ergebnis: Rücksendung ohne Kommentar, Rücksendung mit „Sie passen nicht ins Verlagsprogramm“ (Hatte ich vorher gecheckt), Rücksendung mit „Nicht gut genug.“, Rücksendung mit „Expose fehlt“ (war ganz am Anfang). Kurz: Die Post hat sich über meine Versuche bei großen/regulären Verlagen gefreut.
    Weiter gings mit den Kleinen: Aussortieren der Unseriösen (Ja die gibt es in großer Zahl), Ausprobieren eines kleinen:
    Ergebnis: Der Verlag verdient daran mein Skript bei einer Druckerei zu platzieren und bei amazon, etc. anzumelden. Keine Werbung, kein Vertrieb in einem Verlagsprogramm, Lesungen selbst organisieren, Vertrieb über Buchhandel selbst organisieren. Buchmessen-Aktivitäten werden gegen Aufpreis angeboten mit Halle X, Regal Y unterste Reihe, ob mein Buch nach meinem Abschied dort noch steht bezweifele ich.
    Ergebnis: Das Buch wird doppelt so teuer, als, wenn ich:

    Mir ein Lektorat suche, Hilfe beim Cover habe, die Dateien bei amazon hochlade und damit arbeite, so gut ich kann.
    Also bevor der Selbstverleger zum Selbstverleger wird hat er meist eine Reihe an Enttäuschungen, Maßregelungen und Normierungen hinter sich.

    Geld verdienen will und muss wohl jeder, die Frage ist, wie viele Biegespannung will man sich dabei zu Muten.

    • Okay, das kenne ich auch alles, weil ich auch mal als Autorin angefangen habe. Aber es geht mir eher darum, herauszubekommen, warum gerade Verlagen zum Vorwurf gemacht wird, dass sie wirtschaftlich arbeiten müssen – was jeder andere Produzent ja auch machen muss, sonst kann er seinen Laden dichtmachen.

      Was die Ablehnungsschreiben angeht, gestehe ich, dass ich mich darin inzwischen auch kurz fasse – weil man sonst sehr viele Autoren nicht mehr los wird. Es gibt jede Menge Leute da draußen, die einem das Leben richtig schwer machen können, weil sie ein „nein“ nicht akzeptieren wollen, selbst wenn man detaillierte Angaben dazu macht. Zwischenzeitlcih habe ich andere Verlage empfohlen, bis ich mich auch damit in die Nesseln gesetzt habe und als „Paktiererin mit DKZV“ ein paar Shitstorms erlebt habe.

      Ich würde ja gern mal Autoren und Verleger auf einem Podium zur Diskussion einladen, um hier Klarheit zu schaffen – wenigstens für die Dauer der Diskussion … damit ich auch weiß, woran ich bin.

      • Ich glaube der wesentliche Zweifel von Autoren besteht darin:
        Das Korrekturen vorgenommen werden, um die Marktkonformität und den Verkauf zu verbessern und nicht, weil das Buch dadurch besser wird.
        Das mag die wirtschaftliche Perspektive sein, an der sich manche stoßen.

        Setze ich mich, mit einem selbst gewählten Lektor auseinander, ist dessen Kritik eine Auszeichnung, weil er sein Geld auch für eine konfliktarme Korrektur bekäme.
        Setze ich mich mit dem Lektor eines Verlages auseinander, kann der Gedanke entstehen: Der will ja nur Massenware daraus machen.

        Ich für meinen Teil sehe die aktuelle Entwicklung als belebend an.
        Wer einen großen Verlag und einen guten Vertrag erwischt: Glückwunsch oder neudeutsch: Jackpot! Wer einen kleinen erwischt, bei dem die Kasse nur klingelt, wenn es ein Erfolg wird: Viel Erfolg.
        Und wer es selbst in die Hand nimmt: Respekt! Da hat man drei Jobs gleichzeitig.

        Ich würde es also eher als sportliches neben- statt gegeneinander sehen. 😉

      • Das sportliche Nebeneinander begrüße ich! 🙂 Es ist aber leider die Ausnahme.

        Das mit der Massenware … na ja, du kennst sicher den Spruch: Never change a running system. Jeder Verlag ist, wie jede Firma, unabhängig von der Größe auf das angewiesen, was wieder in die Kasse kommt. Sonst kann er nicht weitermachen. Das geht vielen Autoren nicht ein.

        Ähnliche Diskussionen habe ich in bezug auf die Ballettromane dieses Jahr zu Hauf geführt. Dabei ging es gar nicht um die Handlungen – je vielfältiger, desto interessanter – sondern um die sprachlichen Grundlagen wie Grammatik und den ganzen anderen Kram. Und daran, so meine Erfahrung, stoßen sich die meisten Autoren, weil sie feststellen, dass sie evtl. doch nicht so sattelfest sind, aber das können sie vielleicht auch gar nicht sein, wenn sie bis dahin nur „Schuldeutsch“ hatten. Alles kein Thema, das kann man alles lernen, aber man muss dazu bereit sein – und da ist meist Schluss mit lustig.

        Ich bin so was von bereit, mit Autoren dahingehend zu arbeiten – tue es auch parallel die ganze Zeit – schon weil man beim nächsten Verlag oder Lektor wissen sollte, ob er wirklich etwas von seinem Job versteht und damit man sich „auf Augenhöhe“ begegnet. Aber die Bereitschaft ist erschreckend gering.

        Wenn wir schon so schön am Plaudern sind: Das sportliche Nebeneinander(re-)bloggen und somit auf die Texte aufmerksam machen finde ich ziemilch entspannend. Ich hoffe, das überträgt sich irgendwann auch auf die Realität 😉

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