Bücherspenden: Liebe LehrerInnen, SchülerInnen, BibliothekarInnen, AutorInnen und alle anderen …

… die sich haupt-, nebenberuflich und ehrenamtlich engagieren, Bücher zum Erhalt der Lesekultur zu sammeln!

Alle Jahre wieder trudelt kurz vor der Buchmesse eine E-Mail der Leipziger Bücherpaten bei mir ein, in der um Buchspenden für Schulen und Bibliotheken in Leipzig gebeten wird. Ich halte das für eine gute Sache, denn man kann a) nie genug lesen und b) vor allem nicht früh genug damit anfangen. Und ich spende auch gern Bücher, da ich davon ausgehe, dass sie nicht auf irgendwelchen Basaren verramscht werden.

Und dann sind da noch die vielen anderen Lesefans, Ehrenamtlichen, Engagierten, die den Weg nach Leipzig auf sich genommen haben, um so viele Bücher wie möglich für eine gemeinnützige Sache zu sammeln, die bei ihnen vor der Haustür stattfindet. Auch das finde ich super. Aber ich will nicht verhehlen, dass mich diese Sammler hin und wieder ratlos zurücklassen. Letztes Jahr spielte sich in Leipzig folgende Szene mehrfach ab:

Hauptsächlich Donnerstag und Freitag kamen immer wieder Schüler an den Stand und fragten, ob sie kostenlos Bücher für ihre Schulbibliothek haben dürften. Ich bot ihnen an, mir die Kontaktdaten ihrer Schule dazulassen, damit ich nach der Messe die restlichen Bücher auf die Schulen verteilen könnte, die ihr Interesse bekundet hatten. Das führte zu den ersten fragenden Blicken, in einem anderen Fall auch zu langen Gesichtern, denn die Schüler waren wohl davon ausgegangen, die Bücher sofort mitnehmen zu können. (Klar, hätte ich an ihrer Stelle auch gedacht, schließlich standen genug von den Dingern in den Regalen.) Wir tauschten also Adresse gegen Visitenkarte. Nach der Messe entspann sich mit Lehrern verschiedener Schulen ein mehr oder weniger reger E-Mail-Verkehr, ich schnürte anschließend ein paar Päckchen – tja, und damit war die Mission erfüllt.

Es gibt aber auch Besucher, die gern an meinem Stand vorbeilaufen dürfen. Dazu gehörten letztes Jahr – leider! – einige Ehrenamtliche, die für kleinere Bibliotheken unterwegs waren. Ja, auch Stadtteil-Bibliotheken sind wichtig und es ist eine Schande, dass sie meist über viel zu wenig Geldmittel verfügen. Aber – und jetzt kommt der Teil, für den ich wahrscheinlich Schläge beziehen werde – das ist kein Freibrief zum Betteln. Konkret bedeutet es, dass ich mir von unterschiedlichen Bibo-Engagierten mehrfach den Vorwurf anhören musste, ich wäre geizig. Nebenan beim XY-Verlag hätte eine Bekannte sofort zehn Bücher bekommen, andere kehrten angeblich mit mindestens dreißig und mehr Büchern im Gepäck zurück. Und überhaupt wäre das ein ganz mieser Trick mit der Adressherausgabe, ob ich vorhätte, die Bibliothek mit Werbung zuzuspammen? – Hä? Geschenk hin oder her, aber wenn ich anschließend meine Bücher im Internet bei gewerblichen Antiquariaten zu Horrorpreisen finde, dann geht mir der Hut hoch, und das will ich, man mag es kaum glauben, um jeden Preis vermeiden. Deshalb überprüfe ich inzwischen die Adressen, die bei mir landen, denn ich hasse böse Überraschungen! – Ja, ich gehe davon aus, dass es sich hierbei um Ausnahmen handelt. Und: Ja, ich lasse mich auch 2016 gern wieder auf Gespräche mit Ehrenamtlichen ein!

Ich will mich jetzt nicht über Wunschdenken und Wirklichkeit auslassen, auch nicht darüber, dass ich als Kleinverlegerin nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfüge, halbe Auflagen zu verschenken. Es gibt Verleger, die das tun, weil sie wollen oder weil es zu ihrer Werbestrategie gehört, und idR können sie es sich auch leisten. Jeder gibt eben, was er kann und will. Es wäre schön, wenn das auch die Empfänger so sähen, statt schmallippig zum nächsten Verlag zu gehen und danach mit einem schnippischen „Schauen Sie mal, Ihr Kollege hat nicht so geknausert!“ an mir vorbeizuflanieren. Falls ein Bücherfan meint, dass meine Bücher unbedingt bei ihm in der Bibo stehen müssen, gibt es vielleicht auch noch andere Möglichkeiten, über die man sich unterhalten kann. Nachfragen hilft!

Übrigens besteht für Bibliotheken auch die Möglichkeit, die günstigeren E-Books zu erwerben und an ihre Nutzer zu verleihen, aber das Argument zieht noch nicht so richtig, vielleicht in ein paar Jahren … Bis dahin freue ich mich weiterhin auf Gespräche mit Ehrenamtlichen, LehrerInnen, SchülerInnen, AutorInnen und allen anderen Bibliophilen.

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3 Antworten zu “Bücherspenden: Liebe LehrerInnen, SchülerInnen, BibliothekarInnen, AutorInnen und alle anderen …

  1. Komisch, ich kenne die Geschichte andersherum, dass niemand Bücher noch haben will in den Bibliotheken. Aber die sind dann vielleicht schon zu alt und man ist auf Neuerscheinungen aus.
    Viele Grüße,
    Marlene

    • Vielleicht kommt es auf die Bücher an? Leider bin ich noch nicht über den Punkt hinausgekommen, den ich im Beitrag beschrieben habe, aber vielleicht habe ich ja dieses Jahr Glück 😉 Dann werde ich meine Erkenntnisse hier teilen.
      Viele Grüße,
      Michaela

      • Ich finde auch nicht, dass das wie die beste Herangehensweise klingt, die die Leute da an den Tag legen. Verlage können Bücher ja auch nicht gratis drucken.
        Viele Grüße,
        Marlene

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