Die Qualität von Büchern – Kommentar zum Blogpost von …

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Diskussionen wie o.g. kenne ich auch. Ich würde mich freuen, wenn die folgenden Argumente zur Klärung der Frage genutzt würden, ob Fantasy- und Jugendbuch-Literatur tatsächlich ohne Inhalt daherkommen.

Setzen wir mal beim hochgelobten Lesegenuss an: Mit Heftromanen kann man entspannen … Mit Fantasy-Romanen kann man entspannen … Mit Hochliteratur kann man – wer hätt’s gedacht – auch entspannen … Es soll sogar Leute geben, die sich bei der Lektüre von Sachbüchern entspannen … wenn die Bücher so geschrieben sind, dass die Leser sie leicht verstehen können. (Ja, auch Sprachwissenschaftler mögen es leicht.) Entspannung „ergibt sich“, wenn man etwas für sich selbst Bedeutendes in einem Text findet. Will sagen: Nur, weil mir Harry Potter & Co. nichts geben, heißt es nicht, dass es für andere Leser genauso ist. Es kommt auf die individuellen Bedürfnisse an.

Sonderfall Fantasyromane: „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ von JRR Tolkien werden wegen ihrer Sprachkunst geschätzt, aber die Romane haben Jahrzehnte gebraucht, um von mehr Lesern als nur den Hardcore-Fans wahrgenommen zu werden. Manche behaupten, dass sich in den 1970er Jahren daraus die sog. Pen-&-Paper-Rollenspiele entwickelten, später die Computer-Rollenspiele, und heute gibt es World of Warcraft. Dieses Genre gibt den Lesern anscheinend etwas, und wenn es nur die viel zitierte „kleine Flucht vor dem Alltag“ ist. – Shakespeare war Unterhaltungskünstler, Goethe war Geheimrat und Hobby-Literat. Beide haben es trotz des Ruhmes zu Lebzeiten erst nach ihrem Tod in die oberen Ebenen der Literatur geschafft, wo sie immer noch zu finden sind.

Nächster Punkt: Grimms Märchen. Darin geht’s grob gesprochen um die gleichen Themen wie in der Fantasy-Literatur, der Held zieht aus, um sich zu entwickeln, er scheitert & gewinnt am Ende doch irgendwie. Märchen sollte man kennen, weil sie Kulturgut sind und archetypisch das Leben darstellen, wieso dann nicht auch die darauf basierende Fantasy-Literatur?

Na gut, in einem Punkt muss ich der Mutter des Bloggers Recht geben: Sprachlich eiern etliche Jugendromane eher auf einem mittelmäßigen Niveau herum. Sei’s drum! Es gibt trotzdem genügend Fälle, in denen junge Leser später freiwillig auf sog. hochliterarische Texte umgestiegen sind, vielleicht, weil sie einen leichten Einstieg hatten. Wenn wir Erwachsenen ehrlich sind, können wir uns alle noch sehr gut an unsere Jugendbuchlieblinge erinnern, die wir verschlungen haben, obwohl sie im Rückblick auch recht einfach gestrickt erscheinen, Stichwort: das Schneider-Buch, das inzwischen beim Egmont-Verlag untergekommen ist. Und wer erinnert sich nicht an die Pelikan-Reihe TKKG (jetzt cbj)?

Dass sich ein Literaturwissenschaftler zwangsläufig mit John Sinclair langweilt, ist übrigens ein Gerücht. Es gibt Leserszenen, in denen sich viele Sprach- und Literaturwissenschaftler tummeln und die sich nichts Schöneres vorstellen können, als jede Woche ihren „Schundroman“ zu lesen.

Ach ja, eine Sache noch: Wer Jugend- und andere Unterhaltungsliteratur für zu trivial hält, der sollte sich einfach mal hinsetzen und eine Kurzgeschichte konzipieren und schreiben. Wer mutig ist, kann sich auch gleich an einem Jugendroman o.ä. probieren. Sooo einfach ist das nämlich gar nicht, auch nicht für Leute mit einem wie auch immer gearteten Sprachstudium.

Letztes Argument für die nächsten Diskussionen mit den Eltern: Seid froh, dass eure Kinder noch lesen! Wenn’s euch gar nicht passt, was eure Teenies verschlingen, dann hilft vielleicht das Mitlesen. Und wenn ihr immer noch nicht versteht, was es euren Liebsten bringt – okay, dann ist das wohl ein Zeichen, dass das eigene Kind auf dem besten Weg zur Selbstständigkeit inkl. eigener Meinung ist. Und das wollen wir ja auch irgendwie, oder?

Viele Grüße von der Verlegerin & Mutter!

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