Adieu, Verlag: Liebe Kollegen, bitte entwickelt euch weiter!

Interessant, interessant, was man so zu hören bekommt, wenn man „plötzlich die Lager wechselt“. Nein, diesmal hat man ausnahmsweise nicht mir auf die Mütze gehauen, sondern den Ex-Verleger-Kollegen. Natürlich habe ich dagegen gehalten, schon weil ich weiß, warum es läuft, wie es läuft, (Micro- und Klein-) Verleger sind nach wie vor auch nur Menschen und tun wirklich, WIRKLICH viel für Autoren! Aber manchmal … okay, hier ganz konkret:

Verleger sind Wertschöpfer und Schöngeister in einem. Das ist schwierig und macht misstrauisch, was die neuen Medien angeht. Ist ja auch erst mal nicht verkehrt, weil jeder neuer Trend zusätzliche Arbeit bedeutet, für die man auch die Zeit haben muss. Und da es mega-umständlich sein kann, alle Buchtiteldaten in den verschiedenen Datenbanken unterzubringen, war auch ich immer öfter geneigt, mir Arbeit zu sparen. Schließlich hat man ja noch ein Leben!

Andererseits sind in den letzten Jahren nicht nur im Hinblick auf E-Books viele Vorgänge vereinfacht worden, was das „Livegehen“ von Buchtiteln betrifft. Gut, das VLB ist und bleibt vertrackt – dazu irgendwann in den nächsten Monaten mehr -, aber es ist und bleibt auch die Referenzdatenbank für die Online-Distributoren im deutschsprachigen Raum, die sowohl Print- als auch E-Book-Titel vertreiben. Prints landen nach dem VLB-Eintrag zwar nicht automatisch bei Thalia, Weltbild, Mayersche, Hugendubel und wie sie alle heißen in der Datenbank, weil sie explizit über Auslieferungen oder direkt beim Verlag bestellt werden müssen. Jedoch kann man als Verleger z.B. mit einem Print-on-Demand-Anbieter (BoD, epubli, Monsenstein & Vannerdat etc.) einen Verlagsvertrag abschließen, mit dem die Verlagstitel wiederum bei den Sortimentern gelistet werden, wo Buchhandlungen bestellen können. Diese Verträge sind übrigens gar nicht so unüblich. Meiner Erfahrung nach kostet das Ganze pro Titel ungefähr so viel wie das, was man als Selfpublisher für diesen Service hinblättert. Eine gute Sache, wie ich meine, denn man spart sich als Verleger auf alle Fälle das Schlafzimmerlager.

Ähnlich funktioniert es bei den gewerblichen Distributoren (nur für Verlage) für E-Books. Manche kosten, andere nicht, aber sie beliefern alle großen deutschen Buchhandelsdatenbanken mit E-Books. Der Verleger kann sich zurücklehnen und sich um die Werbung kümmern …

Und trotzdem gibt es immer noch Verleger, die sich auf einen Distributor für Print und E-Book beschränken und ggf. auch keine Auslieferung haben, geschweige denn bei einem Sortimenter gelistet sind. Und dann nehmen sie auch „nur“ Amazon als Distributor in Anspruch. Vorweg: Amazon ist der interessanteste Anbieter, weil hier das E-Book-Geschäft gut läuft. Bei Prints über Createspace habe ich weniger aussagekräftige Erfahrungen gemacht, da läuft es eher schleppend. Aber warum verlegen Verleger die E-Buchtitel ihrer Autoren z.B. nicht auch bei Thalia? Weltbild? Hugendubel? Mayersche? Die sind mittels der o.g. Distributoren auch nur einen sprichwörtlichen Klick entfernt. Und nicht alle verlangen Einstellgebühren. (Yessir!)

Vor allem: Wenn man als Verleger nur so wenig Streumöglichkeiten nutzt, ist man für einen Autor eher uninteressant. Der will seine Titel doch möglichst global verkaufbar halten und kann KDP und Createspace auch allein beschicken. Und er kommt inzwischen auch an Thalia & Co. heran, wenn er sich die entsprechende Selfpublisher-Plattform aussucht. Was bleibt dann noch für den Verleger?

Mein Fazit nach einigen sehr aufschlussreichen Gesprächen der letzten Tage: Liebe (Klein-)Verleger, ihr seid im Zugzwang. Ihr scheint (noch) den leichteren Zugang zu allen wichtigen Branchennetzen zu haben, aber die Selfpublisher haben die Startlöcher bereits verlassen! Keine Sorge, ich steige jetzt nicht auf die Jubelgesänge der Selfpublisher-Marketing-Strageten ein. Jedoch sehe ich großen Nachholbedarf in Sachen „Service am Autor“. Und ich glaube, dass die Autoren euch in den nächsten Jahren überholen werden, was die Distribution betrifft. Also scheut euch nicht, eure Titel überall zu präsentieren, auch wenn’s aufwändig und mitunter ärgerlich ist, wenn die Datenbanken mal wieder nicht miteinander korrespondieren wollen. Seid die Unterstützer eurer Autoren und fordert, dass diese Mängel ausgeräumt werden. Das sind euch eure Dienstleister schuldig!

Und ihr, die Verlagsautoren und Selfpublisher: Fordert eure Verleger und Distributoren! Das ist keine Nickeligkeit, sondern ein: „Hey, das war schon gut, aber geht das auch besser?“ Informiert euch, tauscht euch mit euren Verlegern und Kollegen aus und streicht um Himmels willen den Gedanken aus eurem Kopf, dass Verleger Götter sind. Wäre es so, schriebe hier eine gefallene Göttin. 😉 Sie sind Menschen mit einigen Schwächen und vielen, vielen Stärken, und sie können auf Erfahrungen zurückgreifen, die ihr mit euren Kenntnissen über Innovationen ergänzen könnt. Ihr wärt sozusagen ein Win-Win-Team.

Gut, ne?

 

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